Der "Economist" als Familienbetrieb

11. August 2015, 07:30
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Diese Woche sollen die 50 Prozent am "Economist" verkauft werden – Die Familien Agnelli und Rothschild dürften ihre Anteile aufstocken

London/Mailand/Wien – Die Financial Times, gerade selbst vom britischen Informations- und Bildungskonzern Pearson verkauft, rechnet diese Woche mit dem Abschluss. Der Corriere della Sera tippt auf Mittwoch – größter Aktionär der italienischen Tageszeitung ist einer der Käufer des Economist – die Fiat-Familie Agnelli.

Exor, die Holding der Agnellis, hält bisher knapp unter fünf Prozent an der Mediengruppe des Economist. Nun soll sie zum größten Aktionär aufrücken – neben der britischen Familiengruppe Rothschild. 50 Prozent von Pearson an der Magazingruppe sind zu haben, und die beiden finanzstarken Familien sollen die größten Abnehmer sein. Die Rothschilds haben schon bisher mit 21 Prozent den zweitgrößten Anteil am Economist. Rund 565 Millionen Euro sollen für die 50 Prozent zu überweisen sein.

Sachwalter

Das Eigentum an der Bibel des Kapitalismus ist recht kompliziert geregelt und spricht auch für eine Lösung unter den bestehenden Eigentümern. Erklärtes Ziel der Regeln: Unabhängigkeit des Mediums und seiner Redaktion, keine Kontrolle durch einen dominierenden Shareholder.

Sie sehen vier Arten von Anteilen vor: Typ A bestimmt die Mehrheit im Economist-Verwaltungsrat, sie gehören Nachfahren der Gründer, ehemaligen Herausgebern und Unternehmer- und Investorenfamilien wie Schroder, Cadbury und Sainsbury. B-Anteile gehören Pearson, sie bestimmen die übrigen Boardmitglieder. Einfache Anteile gehören etwa Ex- und aktuellen Mitarbeitern.

Vier Verwalter weiterer Anteile haben die Aufgabe, die Unabhängigkeit zu wahren. Die honorigen Damen und Herren – Exminister, Oberhausmitglieder, Anwälte – müssen jedem Kauf oder Verkauf von A- und B-Anteilen zustimmen.

Zwei Familien stocken auf

Lynn Forrester de Rothschild (61) sitzt im Direktorium des Economist, sie identifiziert sich stark mit dem Magazin. Porträts der „Jersey Lady“, etwa von Politico, verweisen derzeit gern darauf, dass seine Covers einen stillen Ort ihres Sommerdomizils auf Marthas Vineyard nahe Cape Cod schmücken. 2012 hat sie in einem Interview erklärt, dass die Rothschilds ihre Anteile am Economist nicht veräußern würden, „so lange ich lebe“. Nun dürften es eher mehr als die 21 Prozent werden.

Die Fiat-Familie Agnelli hält schon einige Medienbeteiligungen in Italien: Sie ist größter Gesellschafter von der Mediengruppe RCS mit dem Corriere della Sera, ihr gehören die Turiner Zeitung La Stampa und Il Secolo XIX in Genua.

John Elkann (39), Enkel und Nachfolger des verstorbenen Fiat-Präsidenten Giovanni Agnelli an der Spitze des Familienclans, investiert im großen Stil abseits der Automobilbranche: Für 6,9 Milliarden Dollar übernimmt die Familienholding gerade den Rückversicherungskonzern Partner Re. Elkann hat sich zudem mit 17 Prozent an der italienischen Bankengruppe Leonardo beteiligt.

Konzentration auf Bildungsmedien

Pearson will sich wie berichtet ganz auf Bildung und Bildungsmedien konzentrieren. Die Financial Times verkauft der Londoner Konzern für 1,2 Milliarden Euro an die japanische Mediengruppe Nikkei – übrigens unterstützt von der Investmentbank der Rothschilds. Pearson war schon da für eine Überraschung gut: Der deutsche Medienkonzern Springer galt bis zuletzt als Favorit für den Kauf der Financial Times.

Letzte Pearson-Medienbeteiligung nach einem Verkauf der 50 Prozent am Economist sind 47 Prozent am weltgrößten Buchverlag, Penguin Random House. Die übrigen 53 Prozent dort gehören dem deutschen Medienriesen Bertelsmann. (fid, tkb, 11.8.2015)

  • Die Zukunft des Economist soll künftig in den Händen der Familien Rothschild und Agnelli liegen.

    Die Zukunft des Economist soll künftig in den Händen der Familien Rothschild und Agnelli liegen.

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