Nationalbank fällt bei Elchtest durch

11. August 2015, 05:30
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Die Notenbank beschäftigt einen Poststellenmitarbeiter weiter, den sie wegen seines Umgangs mit Paketen (inklusive Elchsalami) entlassen wollte

Wien – Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Dieser Spruch mag den Direktoren der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) eingefallen sein, als sie jüngst den Arbeitsvertrag jenes Poststellenmitarbeiters neu verhandelt haben, den sie eigentlich wegen Diebstahls hatten entlassen wollen. Vor rund drei Wochen hat das Arbeits- und Sozialgericht Wien die Entlassung des Mannes als rechtsunwirksam gekippt – und das erstinstanzliche Urteil ist auch schon rechtskräftig.

Die OeNB hat nämlich auf eine Berufung verzichtet und beschäftigt den betroffenen Notenbankpostler nun eben weiterhin. Er hat im Rahmen eines Vergleichs eine "strenge Disziplinierung" akzeptiert, wie es in der OeNB heißt. Und zwar in Form einer "drastischen Gehaltseinbuße, die sicherstellt, dass der Mitarbeiter realisiert, dass man sich nicht alles erlauben kann", wie ein OeNB-Sprecher auf Anfrage erläutert.

Disziplinarverfahren

Kurz zur Vorgeschichte: Der langgediente Mitarbeiter, der dem Dienstrecht I (DB1, samt Bankpension, die sich nach dem letzten Aktivbezug berechnet) unterliegt, hat diverse Geschenkpakete für Notenbanker geöffnet und deren Inhalt zum Teil behalten. Einer seiner Kollegen (dieser hat die OeNB dann verlassen) wurde darauf aufmerksam, meldete das bei den Chefs – und die Geschichte nahm ihren Lauf. Wie für DB1-Beschäftigte vorgesehen, wurde die Disziplinarkommission tätig, sie stufte den Mitarbeiter rigide zurück und wollte ihn (mit entsprechend stark reduzierten Bezügen) früher in Pension schicken.

Dem Direktorium erschien das nicht streng genug, es sprach die Entlassung aus. Die Postdiebstähle hatte man schon zuvor angezeigt – die Notenbanker vermissten "alkoholische Getränke, Pralinen, Weihnachtsgeschenke, Handyzubehör, Putztücher, Kekse und eine Elchsalami". Die Staatsanwaltschaft Wien klagte den Notenbanker denn auch an, das Strafverfahren endete, wie berichtet, mit einem Teilfreispruch und einer Diversion.

Strafprozess beendet

Von den meisten Vorwürfen, die sich auf die Zeit von Herbst 2011 bis Jänner 2013 bezogen, wurde der Notenbanker Ende Februar 2014 freigesprochen, gestanden hatte er den Diebstahl dreier Kalender und einer Packung Kekse. In diesen Punkten kam er mit einer Diversion (Zahlung der Pauschalkosten) und einer Probezeit von zwei Jahren davon.

Den Einbehalt einer Elchsalami hatte der Mann schon davor immer geleugnet; sein Arzt habe ihm den Verzehr von Wurst verboten, soll er auch vor der Disziplinarkommission beteuert haben. Nicht überliefert ist, wer denn der Absender der schwedischen Delikatesse gewesen sein mag.

Wie auch immer, nun wird der OeNB-Postler, der sich gegen seine Entlassung zur Wehr gesetzt hatte, wieder arbeiten. Und zwar, wie eh und je, in der Poststelle. Die Sache mit den Geschenken ist gemäß Corporate Governance im Verhaltenskodex der Notenbanker von Herbst 2014 übrigens so geregelt: "Kein Mitarbeiter wird von einem Dritten finanzielle oder sonstige Vorteile von Wert annehmen beziehungsweise sich diesbezügliche Versprechungen machen lassen, um seine Tätigkeit in der OeNB zu beeinflussen oder unzulässige Informationen weiterzugeben."

Geldmuseum ein Fall fürs Museum

Während die Poststelle nun also wieder komplett ist, wird das Geldmuseum der OeNB im Rahmen derer Umstrukturierung aufgelöst. Das Museum gehört zur Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Personal unter Markus Arpa. Die Kuratorin des Museums, Armine Wehdorn, hat gekündigt – der Plan, sie danach als externe Beraterin wieder ins Haus zu holen, wurde gekippt. (Renate Graber, 11.8.2015)

  • Manchmal verschwindet in der Oesterreichischen Nationalbank auch Elchsalami.
    foto: reuters/bader

    Manchmal verschwindet in der Oesterreichischen Nationalbank auch Elchsalami.

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