Ausschreitungen in Ferguson: Das Gute und das Schlechte

Kommentar10. August 2015, 17:26
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Vielleicht ist es einfach an der Zeit, sich nicht mehr auf die mythischen Selbstreinigungskräfte der USA zu verlassen

Hope. Change. Yes we can. Am Beispiel Barack Obamas zeigt sich, welch eminent wichtige Rolle das Pathos in den USA spielt. Im Land mit der Traumfabrik Hollywood wird der Hang zu Theatralik und überbordenden Emotionen mit Stolz und Inbrunst gezeigt. Dazu gehört, dass sich die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten präsentieren – und sie sich, so ein oft zitierter Satz, aus Krisen heraus immer wieder erneuern können.

Am 20. Jänner 1993 zeigten sich die USA einmal mehr von ihrer pathetischsten Seite. Bill Clinton hatte die Präsidentenwahl gewonnen und in seiner Antrittsrede Folgendes versprochen: "Es gibt nichts Schlechtes an Amerika, was sich nicht durch das Gute an Amerika heilen ließe." Ein Jahr zuvor sprach ein Gericht vier Polizisten frei, die den Schwarzen Rodney King misshandelt hatten – es kam zu Unruhen in Los Angeles. Clintons Satz konnte man also auch auf die damalige Rassismusdebatte auslegen.

22 Jahre später muss die Frage gestellt werden, was in den USA das sogenannte Gute sein soll, das dem Schlechten den Garaus macht. Letzteres sind etwa Exekutivbeamte, deren Schüsse immer noch auffällig oft junge Schwarze treffen. Das Gute will und will sich aber nicht zeigen. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, sich nicht mehr auf die mythischen Selbstreinigungskräfte der USA zu verlassen – und stattdessen an Banalitäten wie der landesweiten Einführung von Körperkameras zu denken, um die Polizeiarbeit besser zu kontrollieren. (Kim Son Hoang, 10.8.2015)

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