Letzte Musikworte

10. August 2015, 16:22
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Pianist András Schiff in der Stiftung Mozarteum

Salzburg – Eine reizvolle Idee, der Zyklus "Letzte Sonaten" in Salzburg: Mozart machte am ersten Abend mit der Sonate facile KV 545 den Anfang, einem Virtuosen- viel mehr denn einem Anfängerstück. Und: In der liebevoll gestalteten, unprätentiösen, flott gespielten Lesart von András Schiff wird es deutlich wie kaum je zuvor bei dieser "kleinen Klaviersonate für Anfänger". Schiff spielt den Zyklus auf einem Bechstein-Flügel von 1921). Und zwar auf jenem, auf dem Wilhelm Backhaus viele Schallplatten eingespielt und unzählige Konzerte gegeben habe, so das Programmheft.

Der Bechstein kann im Diskant eine Spur verhalten klingen, der Klang funkelt sozusagen nicht routinemäßig. Die Tiefe bietet dunkelsamtene Fülle ebenso wie metallisches Dröhnen. Basstriller (von Schiff ausgeführt oder auch nur einzeln "modellierte", wie aus der Erde gestampfte Töne) lehren Ehrfurcht und Gruseln. Und in der Höhe: verschleierter, geradezu trockener Klang, aber auch einer, der an das feine Schimmern gehämmerten Goldes erinnert.

Am zweiten Abend zunächst erneut einzutauchen in eine Atmosphäre des ideal-klassischen "Wahren, Guten und Schönen": "Perfekter Lagenausgleich" ist das Kritikerwort für höchstes Sängerlob. Und es ist auch anzuwenden auf Schiffs im Tempo ebenfalls sehr zügige Interpretation von Mozarts Sonate Nr. 17 B-Dur KV 570. Die Hornquinten-Wendungen im Adagio bleiben in Ohr und Herz. Das der Klarheit auf Ausgeglichenheit entgegengesetzte Extrem demonstrierte Schiff mit Beethovens Sonate Nr. 31 As-Dur op. 110 und – expressiver – mit Schuberts Sonate Nr. 20 A-Dur D 959.

War der Marsch durch Beethovens Kosmos quasi noch ein bewegtes Hin und Her zwischen sonnigen und bewölkten "romantischen" Gefilden, führte der Weg mit Schubert immer tiefer hinab in die Abgründe schwärzester Romantik. (klaba, 10.8.2015)

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