Spuren eines der letzten Mars-Seen entdeckt

10. August 2015, 16:15
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US-Forscher stoßen auf Salzlagerstätte in Meridiani Planum: Dort dürfte sich ein See besonders lange gehalten haben

Boulder – Seit Menschengedenken hat der Mars als rötlich-gelber Leuchtfleck am Himmel gestanden. Mit der Entdeckung der vermeintlichen Marskanäle im 19. Jahrhundert lebte dann die Vorstellung auf, dass es sich einstmals um eine blühende, der Erde ähnliche Welt gehandelt habe, die langsam zur Wüste wurde, weil ihr das Wasser ausging.

Im Prinzip ist die Vorstellung vielleicht gar nicht so falsch. Auch wenn man nicht tausende oder Millionen Jahre zurückgehen muss, sondern Milliarden, um zu einem – vielleicht – blauen Mars zu gelangen.

Der blaue Mars

Heute sind sich Forscher relativ sicher, dass der Mars vor knapp vier Milliarden Jahren noch eine große Menge an fließenden und stehenden Gewässern trug. Damals war seine Atmosphäre noch wesentlich dichter als heute. Als er diese – durch Einwirkung von Sonnenwind, seine geringe Gravitation oder auch die Kollision mit einem größeren Himmelskörper – verlor, konnte sich Wasser in flüssiger Form nicht mehr an der Oberfläche halten.

Nun glauben Forscher der University of Colorado in Boulder eines der letzten Relikte aus dem Zeitalter des blauen Mars entdeckt zu haben – und damit einen der letzten Orte auf dem Planeten, an denen noch hypothetisches Marsleben in einer ähnlichen Form wie das irdische existiert haben könnte. Auch dieses mögliche letzte Refugium ist freilich schon vor langer Zeit zu Staub geworden.

... und dessen letzter Rest

Und zwar fanden die Forscher in der äquatornahen Hochebene Meridiani Planum – unweit der Landestelle des Marsrovers Opportunity – eine Salzlagerstätte von etwa 46,5 Quadratkilometern Größe. Sie nehmen an, dass diese auf die gleiche Weise gebildet wurde wie Salzpfannen auf der Erde: nämlich indem ein Gewässer ausgetrocknet ist und nur Salz zurückgelassen hat.

Laut der in "Geology" veröffentlichten Studie deuten die Geländeformationen in der Umgebung dieses Objekts und mineralogische Analysen darauf hin, dass es sich vor nicht mehr als 3,6 Milliarden Jahren gebildet haben kann. Damit hätte sich an dieser Stelle ein See einige hundert Millionen Jahre länger gehalten als der größte Teil der übrigen Marsgewässer.

Potenziell lebensfreundlich

Laut Studienleiter Brian Hynek könnte es sich damit nicht nur um einen der allerletzten Mars-Seen gehandelt haben. Er war vielleicht sogar recht lebensfreundlich: Keineswegs extrem salzhaltig nämlich – Ausdehnung und Dicke der entdeckten Chloridschicht würden darauf hinweisen, dass der langlebige See nur etwa acht Prozent des Salzgehalts irdischer Ozeane hatte.

Sollte sich auf dem jungen Mars einst tatsächlich wie auf der Erde Leben entwickelt haben, könnte dies also einer der letzten Orte gewesen sein, an denen es gedieh. (red, 10. 8. 2015)

  • Wo heute eine Salzlagerstätte liegt, dürfte sich einst eines der letzten Marsgewässer befunden haben.
    illustration: lasp / brian hynek

    Wo heute eine Salzlagerstätte liegt, dürfte sich einst eines der letzten Marsgewässer befunden haben.

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