Wiener Wakeboardlift offen, aber unter strenger Kontrolle

10. August 2015, 15:58
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Laut dem Betreiber waren für die Aufhebung der Sperre keine wesentlichen Änderungen nötig. Die Behörde sieht das aber anders – und will verstärkt kontrollieren

Wien – Seit Samstag, 16 Uhr ist der Wiener Wakeboardlift an der Neuen Donau wieder in Betrieb. Zuvor war er von der zuständigen Wasserrechtsbehörde (MA 58) nach einem schweren Unfall zehn Tage gesperrt gewesen. "Die von der Behörde festgestellte Gefahr im Verzug besteht nicht", sagt Liftbetreiber Michael Machek dem STANDARD. "Diese hat auch nie bestanden." Die Inbetriebnahme des Lifts wurde ihm laut Eigenangaben "ohne Neuauflagen" seitens der Behörde gestattet. "Der Betrieb läuft komplett gleich wie vor dem Unfall."

Mit zwei Einschränkungen: Weil der behördliche Bescheid für das Aufstellen eines Hindernisses im Wasser für Sprünge trotz eines Ansuchens im April nach wie vor fehlt, muss dieses durch eine bereits genehmigte Sprungschanze ausgetauscht werden. Und: Statt zehn "Mitnehmern" am Seil werden wie von der Behörde vorgeschrieben künftig nur noch acht Sportler gleichzeitig befördert. "Obwohl der Lifthersteller dieser Anlage bis zu zwölf Personen am Seil erlaubt", sagt Machek.

Die Behörde hatte aber auf einige weitere Mängel der Anlage hingewiesen. Auch diese seien bis Samstag erledigt worden, sagt Sonja Fiala, die Dienststellenleiterin der MA 58. So müsse die Höhe des Umlaufseils künftig 10,74 Meter statt 8,6 Meter betragen. Die Umlenkbojen mussten versetzt werden. Und der Betreiber müsse – notfalls auch durch zwei Personen – sicherstellen, dass die Liftanlage jederzeit überblickt und per Knopfdruck gestoppt werden kann.

Betreiber will nichts verändert haben

Darauf angesprochen, sagt Machek: "Wir haben weder die Bojenposition noch die Höhe des Seils verändert. Es gab keinen Sicherheitsmangel."

Was die Frage der Überblickung der Anlage betrifft, wird von der überprüfenden Behörde, der MA 45 (Wiener Gewässer), eingeräumt, dass eine zweite Person nicht zwingend immer direkt bei der Anlage anwesend sein müsse. "Sie muss sich in der Umgebung aufhalten", sagt Gerald Loew, Leiter der MA45. Das sei laut dem Betreiber auch bisher sichergestellt gewesen.

Behördenverhalten "jenseits von Gut und Böse"

Das Verhalten der Behörde hatte der Pressesprecher des Liftbetreibers zuvor als "jenseits von Gut und Böse" bezeichnet. Die Behörde würde "wie ein Betrunkener um sich" schlagen, um die Sperre nach dem Unfall, bei dem einer 41-jährigen Frau der Unterarm abgetrennt worden war, zu rechtfertigen.

Machek seien nach Eigenangaben durch die Sperre täglich "ein paar tausend Euro" Verdienst entgangen. Es gebe Überlegungen, die Behörde wegen der Sperre zu klagen.

Mehrmals wöchentliche Kontrollen angekündigt

Für Fiala, die Leiterin der MA 58, ist der Betreiber "ein mit allen Wassern gewaschener Unternehmer". Fiala und Loew kündigten strengere und regelmäßigere Kontrollen als bisher durch die Behörde an – auch unangekündigte. "Das kann auch ein paar Mal pro Woche sein", sagt Loew dem STANDARD. "Ich begrüße die Kontrollore schon jetzt herzlichst", sagt Machek.

Der Wassersportlift hat seit 1982 geöffnet. Wie genau es zu dem schwersten und beispiellosen Unfall seit Bestehen der Anlage kommen konnte, ist nach wie vor unklar. Der Betreiber schließt technische Ursachen wie Sicherheitsmängel aus. Um die Sicherheit zu erhöhen, will Machek mit interessierten Anfängern "noch mehr reden und noch mehr erklären".

Neue Schilder wolle er nicht aufstellen. Stattdessen appelliert er "an den Hausverstand. Der Mensch muss mitdenken." Auf die Gefahren des Sports werde beim Bezahlen der Liftkarte hingewiesen, ein Vertrag müsse unterschrieben werden.

Anzeige gegen Betreiber läuft

Gegen den Betreiber läuft aber weiterhin eine Strafrechtsanzeige. Aus Opferschutzgründen und aus ermittlungstechnischen Gründen will man laut einem Sprecher der Landespolizeidirektion Wien den Stand der Ermittlungen zum Unfall nicht mitteilen. Zuvor hatte es geheißen, dass sich aus der Befragung des Unfallopfers keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zum Unfallhergang gewinnen haben lassen. (David Krutzler, 10.8.2015)

  • Seit Samstagnachmittag ist der Wiener Wakeboardlift an der Neuen Donau wieder in Betrieb.
    foto: apa / herbert neubauer

    Seit Samstagnachmittag ist der Wiener Wakeboardlift an der Neuen Donau wieder in Betrieb.

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