Venedig: Fotoausstellung gegen Kreuzfahrtschiffe sorgt für Streit

12. August 2015, 13:33
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Bürgermeister der Lagunenstadt gegen Bilderschau des Starfotografen Berengo Gardin im Palazzo Ducale

Venedig – Sie bringen Geld, sie bringen Touristen, doch das Verhältnis zwischen Venedig und seinen Kreuzfahrtschiffen ist angespannt. Für viele Bewohner sind sie ein Albtraum, für Venedigs Hafenbehörde sind sie ein Segen.

Für Aufsehen sorgt jetzt eine ab dem 19. September geplante Fotoausstellung des Starfotografen Gianni Berengo Gardin im prestigereichen städtischen Museum Palazzo Ducale. Der 85-jährige Fotograf hat mit beeindruckenden Bildern festgehalten, wie sich die "schwimmenden Städte" durch Venedig schieben. Mit 300 Metern sind sie zweimal so lang wie der Markusplatz. 60 Meter ragen sie in die Höhe. Gardin gilt als Sprecher des Bürgerkomitees, das für eine Verbannung der Kreuzfahrtschiffe aus Venedig kämpft.

Negatives Bild der Stadt

Gegen die Ausstellung tritt der im Juni neu gewählte Bürgermeister Luigi Brugnaro auf. Der Mitte-rechts-Politiker ist der Ansicht, dass die Ausstellung Touristen ein negatives Bild der Stadt vermittelt. Gardins Ausstellung zeige eine einseitige Sicht des Problems mit den Kreuzfahrtschiffen, meinte Brugnaro laut der Tageszeitung "La Repubblica".

"Das Museum Palazzo Ducale ist öffentlich zugänglich. Es ist richtig, auch andere Ansichten in Bezug auf die Kreuzfahrtproblematik zu zeigen", betonte der Bürgermeister. Neben den Fotos des Starfotografen will das Stadtoberhaupt jetzt im Museum auch das Projekt der Gemeinde für einen Transit der Kreuzfahrtschiffe im Giudecca-Kanal zeigen. Dagegen wehrt sich jedoch der Fotograf. "Wenn die Gemeinde ihr Kanalprojekt zeigen will, ist es in Ordnung, das muss jedoch getrennt von meiner Ausstellung erfolgen", betonte Gardin.

Raus aus der Lagune

Mehr als zwei Millionen Kreuzfahrttouristen kommen jedes Jahr nach Venedig, das bringe 430 Millionen Euro in die Stadt und erhalte mindestens 5.000 Arbeitsplätze, argumentiert die Hafenbehörde, die sich für die Kreuzfahrtschiffe in Venedig ausspricht. Seit der Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio im Jänner 2012 ist jedoch in Venedig die Befürchtung gewachsen, dass ein ähnliches Unglück in der Lagune passieren könnte. "Kreuzfahrtschiffe raus aus der Lagune!", lautet der Slogan der Venezianer gegen die Kreuzfahrtgiganten.

Die Bürgerinitiative "No Grandi Navi" (Keine großen Schiffe) kämpft seit Jahren für eine Reduktion des Schiffsverkehrs und argumentiert mit dem Wellengang, der die Fundamente der Palazzi beschädigt. Außerdem bringe der Kreuzfahrttourismus nur geringe Einnahmen, da die Reisenden nicht in der Stadt nächtigen.

Die Regierung von Premier Matteo Renzi will den Canale Contorta-Sant'Angelo vom südlichen Laguneneingang Malamocco nach Marghera verlängern. Damit sollen die Kreuzfahrtschiffe den modernen Passagierhafen am westlichen Rand von Venedig erreichen. (APA, 12.8.2015)

  • Sind vielen Venezianern ein Dorn im Auge: die "schwimmenden Städte" in der Lagune.
    foto: reuters/stefano rellandini

    Sind vielen Venezianern ein Dorn im Auge: die "schwimmenden Städte" in der Lagune.

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