Gerhard Rühm: Entgrenzte Poesie

10. August 2015, 15:26
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Der Grenzgänger der Dichtung, Musik und bildenden Kunst – ist am Donnerstag in Salzburg zu erleben

Salzburg – Vielseitigkeit bestimmt das Werk Gerhard Rühms ebenso wie sein Credo, dass Kunst innovativ sein muss. Vielseitigkeit bedeutet Intermedialität, also nicht das bloße Nebeneinander künstlerischer Tätigkeiten, sondern die Auflösung von Grenzen, das Schaffen neuer Hybride. In der Wiener Kunstszene trat Rühm um 1950 erstmals in Erscheinung. Als Komponist – ist er doch der Sohn eines Musikers.

Rühm studierte Klavier und Komposition. Am Donnerstag gibt er mit seiner Frau Monika Lichtenfeld ein "Sprechkonzert" mit Sprechtexten, Duetten und Chansons. Die Aufführung erfolgt nach einem Rundgang durch die Schau Piano Pieces – Klaviere. Klänge. Kunst, auf dem de Leiter des Salzburg-Museums, Martin Hochleitner, erläuternde Worte sprechen wird.

Piano Pieces versammelt historische Instrumente aus der hauseigenen Sammlung, Musikstücke und Klangexperimente sowie damit in Verbindung stehende Kunstwerke vom 17. bis zum 21. Jahrhundert, etwa Arbeiten von Monika Baumgartl, Gregor Graf, G.R.A.M., Karl Valentin, Leo Zogmayer und Rühm.

Die Freundschaft mit dem Dichter Artmann – der Surrealismus, Expressionismus und Dialekt "entdeckte" – führte Rühm in den 1950ern zu ersten, vom Dadaismus beeinflussten Laut- und Wortgestaltungen. Nach und nach gesellten sich Konrad Bayer, Oswald Wiener und Architekt Friedrich Achleitner zum informellen Kreis der experimentellen Kunstproduzenten, deren wichtigste Gemeinschaftsarbeiten in der Zeit zwischen 1954 und 1960 entstanden.

Jenseits aller Gattungsgrenzen entwickelte die Wiener Gruppe eine neue Art von Poesie, in der Sprache von Inhalten befreit und auf Materialität reduziert wird. Rühm ging es nicht nur um gesprochene, geschriebene Sprache, sondern auch um visuelle Dimensionen: von der konkreten und konzeptionellen zur visuellen Poesie. Seine Arbeiten, die Lieder und Typocollagen stehen in der Tradition Fritz Mauthners und des Neopositivismus eines Ernst Mach. (dog, 10.8.2015)

13.8., Salzburg Museum / Neue Residenz, Salzburg, 0662/62 08 08, 18.00 Ausstellung, Di-So, 9.00-17.00

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