Kirchenglocken gegen rechte Anti-Asyl-Proteste

10. August 2015, 14:19
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Ein südoststeirischer Pfarrer setzte seine fünf Kirchenglocken ein, um eine Demonstration der "Identitären" gegen ein Flüchtlingszentrum zu stören

Fehring – "Das war ein wirklich schönes Zeichen, ich hab mich sehr darüber gefreut und ihm auch gleich dazu gratuliert", sagt Johann Winkelmaier. Der ÖVP-Bürgermeister der südoststeirischen Stadt Fehring ist voll des Lobes für "seinen Pfarrer", der sich einen eigenwilligen, aber besonders wirksamen Protest gegen eine Demonstration der rechtsgerichteten "Identitären" einfallen hatte lassen. Die rechtsextreme Gruppierung hatte am Sonntag in Fehring eine Demo gegen das dort geplante Flüchtlingszentrum organisiert.

Pfarrer Christoph Wiesler setzte dagegen jedenfalls den lautesten Protest, den er zur Verfügung hatte, in Gang: die Kirchenglocken. "Das Ganze spielte sich auf dem Hauptplatz ab, und die Kirche ist gleich daneben, wenn da die Glocken läuten, verstehst du kein Wort mehr. Das war ein sehr schöner, positiver Gegenpol", sagt Bürgermeister Winkelmaier.

"Habe Identitären die Show gestohlen"

Pfarrer Christoph Wiesler freut sich, dass er seit Sonntag immer wieder auf die Figur des wehrhaften Filmpriesters Don Camillo angesprochen wird. "Ich hab mir einfach gedacht, da muss ich was tun gegen diese Hatz und Fremdenfeindlichkeit. Ich habe mich ja auch so geärgert, dass die ihre Demonstration noch dazu unter der Mariensäule veranstaltet haben. Da ist mir spontan eingefallen, dass das Megafon der Identitären gegen meine fünf Glocken keine Chance hat. Und dann hab ich den Identitären die Show gestohlen", schmunzelt der Pfarrer.

An die 40 Mitglieder der Identitären hatten sich mit Transparenten und Fahnen auf dem Hauptplatz von Fehring versammelt, um gegen das in der dortigen Hadik-Kaserne geplante Asylverteilungszentrum zu demonstrieren. Die rechtsextreme Gruppierung hatte dagegen im Vorfeld auch Unterschriften gesammelt. Mit 1. September soll das Zentrum in Vollbetrieb gehen und kurzfristig 150 Flüchtlinge aufnehmen, die im Anschluss an Betreuungsplätze im Bundesland weitergeleitet werden.

Weitere Proteste angekündigt

Trotz der Demopleite in Fehring kündigten die Identitären in einem Facebook-Eintrag weitere Protestaktionen an: "Das war erst der Anfang unserer Aktionen gegen die Asyllobby und ihr krankes Asylsystem. Wir werden jede Form des demokratischen Protestes nutzen, damit Österreich auch in hundert Jahren noch das Land der Österreicher ist." (Walter Müller, 10.8.2015)

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