Google arbeitet am 30-Euro-Smartphone

10. August 2015, 09:07
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Reboot für das Smartphone-Programm für Schwellenländer – Optimierungen für schlechte Netzanbindung

Im Rahmen der Google I/O 2014 stellte Android-Chef Sundar Pichai ein äußerst ambitioniertes Unterfangen vor: Unter dem Namen Android One sollen in Kooperation mit lokalen Herstellern kostengünstige Smartphones für Schwellenländer entwickelt werden, die sich nicht zuletzt durch die Softwareversorgung direkt von Google von der Konkurrenz abheben sollen.

Kein durchschlagender Erfolg

Ein Jahr und eine Reihe von Android-One-Geräten später, lässt sich eine erste Bilanz ziehen, und diese zeigt: Das Smartphone-Programm konnte die Erwartungen bisher nicht erfüllen. So sollen etwa in Indien – einem der Kernländer der Kampagne – bisher unter einer Million Geräte mit Android One verkauft worden sein. Deutlich weniger als intern prognostiziert, wie nun Googles Managing Director Rajan Anandan gegenüber der Financial Times bestätigt.

30-Euro-Smartphone

Das bedeutete allerdings nicht, dass Google Android One wieder einstampfen will, ganz im Gegenteil: Laut Anandan soll es schon bald einen Neustart der Initiative geben. Der Fokus: Noch einmal deutlich günstigere Geräte. Wo aktuelle Android-One-Smartphones ab 5.000 Rupien (70 Euro) erhältlich waren, soll sich die kommende Generation im Bereich von 2.000 bis 3.000 Rupien (30-45 Euro) bewegen.

Lokale Anpassungen notwendig

Dazu passend will Google die eigene Software besser auf die Rahmenbedingungen in Schwellenländern anpassen. Das bedeutet nicht zuletzt die Optimierung für die Nutzung mit schlechter – oder vorübergehend keiner – Internetverbindung. Zudem will das Unternehmen auch ganz allgemein die Internet-Infrastruktur in Indien stärken. Im Rahmen einer großen Kampagne soll Millionen kleiner Unternehmen dabei geholfen werden, eine Internetpräsenz aufzubauen.

Zentraler Markt der Zukunft

Google will auf diesem Weg einen Fuß in den strategisch wichtigen indischen Markt bekommen: "In 10 Jahren werden eine Milliarde Inder online sein", betont Anandan. Bisher ist der Markt aber von Smartphones dominiert, die mit einem inoffiziellen Android laufen – und auf denen entsprechend keine Google-Services laufen. Auch Updates gibt es hier meist keine – Google verspricht hingegen zwei Jahre lang neue Androidversionen zu liefern.

Überlegung

Der strategische Fokus ist es auch, der die niedrigen Preise ermöglichen soll. Immerhin ist Google nicht an den Einnahmen durch Hardwareverkäufe interessiert. Das Ziel ist möglichst viele Nutzer dazu zu bekommen, die eigenen Services zu nutzen, um so indirekt durch Werbeeinnahmen zu profitieren.

Ablauf der Kooperation

Neben der Softwareauslieferung übernimmt Google für Android One auch die Definition der zentralen Hardwarekomponenten. Die lokalen Partner basteln daraus dann ein fertiges Gerät. Google nimmt den Unternehmen also viel Arbeit ab – und doch scheint gerade darin bislang ein Hindernis für den Erfolg für Android One bestanden zu haben. Immerhin ähneln sich die Geräte unterschiedlicher Hersteller entsprechend sehr. In einem Markt, der ohnehin schon von sehr geringen Margen geprägt ist, ist es außerdem nur schwer möglich, sich über den Preis von der Konkurrenz abzusetzen. All dies hat offenbar dazu geführt, dass einige der Google-Partner die Android-One-Smartphones weniger beworben haben als andere Geräte.

Coming soon

Ob sich all diese strukturellen Probleme mit dem Neustart des Android-One-Programms – und dem Fokus auf noch niedrigere Preise – beheben lassen, muss sich insofern erst zeigen. Googles ist jedenfalls offenbar davon überzeugt, bereits in den kommenden Wochen soll es weitere Informationen zum "Reboot" der Initiative geben. (apo, 10.8.2015)

  • Googles Produktchef Sundar Pichai bei der Vorstellung der ersten Android-One-Generation im Juni 2014 – nun soll der Reboot des Programms folgen.
    foto: jeff chiu / ap

    Googles Produktchef Sundar Pichai bei der Vorstellung der ersten Android-One-Generation im Juni 2014 – nun soll der Reboot des Programms folgen.

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