Megyn Kelly – Fox-Moderatorin im Streit mit Donald Trump

9. August 2015, 19:03
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Schnell wurde sie zum Aushängeschild des konservativen Senders Fox News. Nach einem Disput mit Donald Trump ist sie noch berühmter

Eigentlich ist Fox News der Haussender der US-Konservativen, oft eher einer propagandistischer Mission statt einer objektiven Berichterstattung verpflichtet. Es ist ein Sender, in dem George W. Bushs Wahlstratege Karl Rove regelmäßig das Zeitgeschehen bewertet, in dem Sarah Palin bis vor kurzem ihre eigene Show hatte und in dem die schrille Kolumnistin Ann Coulter Präsident Barack Obama wegen seines Iran-Deals mit den Appeasement-Politikern der 1930er-Jahre vergleicht.

Als die Republikaner Fox News den Zuschlag gaben, um die erste Debatte ihrer Kandidaten fürs Weiße Haus zu organisieren, dürften die wenigsten damit gerechnet haben, dass die Moderatoren derart unbequeme Fragen stellen würden. Allen voran Megyn Kelly, die Donald Trump unter anderem damit konfrontierte, dass er Frauen, die er nicht mochte, als "fette Säue" und "Schlampen" beschimpft hatte.

Dünnhäutiger Rüpel

Kaum war das Spektakel vorbei, bestätigte Trump, dass er zwar kräftig austeilen kann, aber auf Kritik überaus dünnhäutig reagiert. Er zog über Kelly her, als hätte sie sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht. "Aus ihren Augen kam Blut. Blut kam aus ihr heraus ... wo auch immer", wetterte er bei CNN, nachdem er getwittert hatte, dass er die Frau für ein journalistisches Leichtgewicht halte.

Tatsächlich hat es Kelly geschafft, in relativ kurzer Zeit zum Aushängeschild ihres Kanals zu werden. Ihre werktägliche Sendung ("The Kelly File") wird seit knapp zwei Jahren zur besten Sendezeit, abends um neun, ausgestrahlt. Nach dem Konzept des mächtigen Fox-News-Gründers Roger Ailes soll die 44-Jährige helfen, ein jüngeres, ideologisch weniger festgelegtes Publikum zu gewinnen; Leute, die zwar konservativ denken, wenn es um Fiskalpolitik geht, aber bei gesellschaftlichen Themen wie der Ehe von Schwulen und Lesben deutlich toleranter sind als die Alten.

In die Mangel genommen

Nicht dass sie das Standardrepertoire einer Fox-Moderatorin nicht draufhätte. Obama etwa wirft sie vor, sozialistische Verhältnisse anzusteuern, nicht zuletzt wegen der von ihm durchgesetzten Pflicht zur Krankenversicherung. Für Furore indes sorgt sie immer dann, wenn sie republikanische Politiker härter in die Mangel nimmt, als die es von ihrem Haussender gewohnt sind.

In die Chronik bemerkenswerter TV-Momente eingegangen ist eine Frage, die Kelly besagtem Bush-Berater in der Wahlnacht des Novembers 2012 stellte. Karl Rove hatte lange darauf beharrt, dass Mitt Romney noch Chancen habe, obwohl die bereits eingelaufenen Ergebnisse schon keinen Zweifel mehr am Sieg Obamas ließen. Darauf sie: "Ist das nur die Mathematik, die Sie als Republikaner anwenden, damit Sie sich besser fühlen, oder ist das irgendwie realistisch?" Damit sei Fox News endlich mal auf der Seite der Fakten gelandet, statt sich parteiischen Fantasien hinzugeben, schrieb damals die "New York Times".

Zuerst Anwältin, dann Journalistin

Es war Kelly, die Jeb Bush in Verlegenheit brachte, als sie ohne Umstände wissen wollte, ob er denn nun wie sein Bruder in den Irakkrieg gezogen wäre oder nicht. Es war Kelly, die dem einstigen Vizepräsidenten Dick Cheney unverblümt die Meinung sagte. "Sir, Sie lagen so oft daneben, wenn es um den Krieg im Irak ging. Der Irak besaß keine Massenvernichtungswaffen, und wir wurden nicht als Befreier begrüßt."

Bevor die Professorentochter aus Albany im Bundesstaat New York zum Fernsehen ging, war sie Anwältin, eine Zeitlang beschäftigt bei Jones Day, einer international aufgestellten Kanzlei. Der Job habe ihr keinen Spaß gemacht, sagte sie einmal in einem Interview. 2003 bewarb sie sich bei ABC News und wurde genommen. Kurz darauf folgte der Wechsel zu Fox. (Frank Herrmann, 9.8.2015)

  • Noch ist alles eitel Wonne: Die Fox-News-Moderatoren Chris Wallace, Megyn Kelly and Brett Baier (v. li.) vor der TV-Debatte, im Zuge derer Donald Trump in Rage geriet.
    foto: reuters/aaron josefczyk

    Noch ist alles eitel Wonne: Die Fox-News-Moderatoren Chris Wallace, Megyn Kelly and Brett Baier (v. li.) vor der TV-Debatte, im Zuge derer Donald Trump in Rage geriet.

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