Im holden Garten der Lieder

9. August 2015, 17:37
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Die Mezzosopranistin präsentierte mit Pianist Eduard Kutrowatz Literatur von Liszt, Schubert, Schumann u. a.

Salzburg – Im April verblüffte Elisabeth Kulman Fans und Intendanten mit der Erklärung, nicht mehr für Opernproduktionen zur Verfügung zu stehen. Keine Probenhöllen, keine ewig gleichen Carmens, Frickas und Orlofskys mehr. Nur Monate später steht die 42-Jährige schon als Interpretin eines Liederabends auf der Bühne des Hauses für Mozart. Der Grund ist allerdings ein trauriger: Die Mezzosopranistin springt für Elina Garanca ein, die ihrer schwerkranken Mutter beisteht.

Im Mittelpunkt des Programms steht Franz Liszt – eine erklärliche Wahl: Sowohl Kulman als auch ihr pianistischer Partner, Eduard Kutrowatz, erblickten in der Nähe von Liszts Geburtsort Raiding das Licht der Welt. Mit sieben Liszt-Liedern in vier Sprachen und mindestens ebenso vielen emotionalen Verfasstheiten wird eröffnet, bezaubernd das federleichte Go Not, Happy Day nach einem Gedicht von Tennyson.

Im Ziergarten des Liedgesangs

Kulman singt vom ersten Ton an mit einem vollkommen runden, weich-glänzenden Timbre – auch im zartesten Pianissimo. Äußerst delikat und behutsam agiert Kutrowatz auch bei drei der Wesendonck-Lieder des großen Überwältigers Richard Wagner: Im Treibhaus, Schmerzen und Träume. Zurückhaltung ist die interpretatorische Maxime, eine fast mädchenhafte Ebenmäßigkeit scheint Kulman als Klangideal vorzuschweben. Schön, aber auch schade: Wieso sich im Ziergarten des Liedgesangs noch zusätzlich beschneiden? Gut, dass Kulmans natürlich-lebendige Art des erzählenden Singens einer drohenden biedermeierhaften Stickbild-Abendstimmung entgegenwirkt.

Nach der Pause wird Liszt mit Schubert und Schumann kombiniert, thematisch verdüstert sich das Ganze in Richtung Nacht und Tod. Gern hätten die beiden Musiker die Konzertteile als dramaturgische Einheiten präsentiert – es bleibt ihnen aufgrund der Zugabenwünsche verwehrt. (Stefan Ender, 10.8.2015)

  • Kulmans natürlich-lebendige Art des erzählenden Singens wirkt einer biedermeierhaften Stickbild--Abendstimmung entgegen.
    foto: salzburger festspiele / marco borrelli

    Kulmans natürlich-lebendige Art des erzählenden Singens wirkt einer biedermeierhaften Stickbild--Abendstimmung entgegen.

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