Vater von getötetem Palästinenser-Kind erliegt Verletzungen

9. August 2015, 12:34
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Mehrere Verdächtige festgenommen – Hamas ruft zur Konfrontation mit Israel auf

Nablus – Eineinhalb Wochen nach dem tödlichen Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland hat die israelische Polizei mehrere Verdächtige festgenommen. Sie wurden am Sonntag bei Razzien in wild errichteten Außenposten jüdischer Siedler gefasst, wie die Polizei mitteilte. Zugleich verhängten die Behörden gegen zwei weitere extremistische Juden sechs Monate Verwaltungshaft.

Nach dem Tod eines palästinensischen Kleinkinds bei dem Anschlag ist auch der Vater der Familie gestorben. Saad Dawabsha erlag nach palästinensischen Angaben am Samstag in einem israelischen Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Seine Leiche wurde zur Obduktion nach Nablus im Norden des Westjordanlands gebracht.

Die den Gazastreifen beherrschende radikalislamische Hamas rief zur "Konfrontation" mit Israel auf. Das Haus der palästinensischen Familie Dawabsha und ein weiteres Gebäude in Duma bei Nablus war vor rund einer Woche von einem Brandsatz getroffen worden, den offenbar radikale jüdische Siedler geworfen hatten. In den Flammen verbrannte der eineinhalbjährige Ali. Der 32-jährige Vater Saad erlitt Verbrennungen dritten Grades und wurde zur Behandlung nach Südisrael gebracht. Die 26-jährige Mutter Riham und der vierjährige Bruder Ahmed wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik bei Tel Aviv eingeliefert.

Beerdigung Samstagnachmittag

Die israelischen Krankenhäuser waren wegen des Sabbats am Samstag nicht erreichbar, neben der Palästinensischen Autonomiebehörde bestätigte aber auch die Familie Dawabsha den Tod des Vaters. Seine Leiche sollte in Nablus obduziert werden, noch für Samstagnachmittag war die Beerdigung in Duma geplant. Ein Palästinenser-Vertreter sagte zu der Obduktion, deren Ergebnisse dienten als Beweismittel. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hatte vor einigen Tagen seinen Außenminister angewiesen, wegen des Brandanschlags Beschwerde beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einzureichen.

Die Mutter und der zweite Sohn der Familie schwebten am Samstag weiter in Lebensgefahr. Allerdings besserte sich der Zustand des vierjährigen Ahmed offenbar leicht. Israelischen Medien zufolge entfernten die Ärzte am Freitag das Beatmungsgerät, an das das Kind angeschlossen war. Demnach öffnete der Kleine bereits seine Augen und erkannte die Menschen um sich herum.

Der Brandanschlag hatte zu gewaltsamen Protesten geführt – der Tod des Familienvaters könnte nun weitere Spannungen zur Folge haben. Hamas-Sprecher Hossam Badran schrieb am Samstag auf Facebook, nichts werde "diese mörderischen Siedler-Attacken stoppen". "Wir können nicht warten, bis sie in unsere Dörfer und Häuser kommen". Die Palästinenser im Westjordanland hätten "nur eine Wahl: die offene und umfassende Konfrontation mit dem Besatzer", schrieb Badran.

Vorbereitung auf neuerliche Proteste

Dem israelischen Rundfunk zufolge bereitete sich die Armee des Landes auf neuerliche Proteste im Westjordanland und auf "palästinensische Racheakte" vor. Die Palästinensische Autonomiebehörde kündigte die Einrichtung von aus Zivilisten gebildeten "Volkskomitees" zum Schutz der Bürger an. Die Vereinten Nationen riefen die politischen und religiösen Anführer beider Seiten zur Zusammenarbeit und zur Vermeidung einer Eskalation der Lage auf.

Israel geht derzeit verstärkt gegen jüdische Extremisten vor. Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag gab es bereits mehrere Festnahmen. Derzeit ist aber unklar, ob die Verdächtigen für den Anschlag verantwortlich sind.

Neue Gewalt in der Region gab es am Freitag auch im Gazastreifen. Nach einem Raketenangriff aus dem Palästinenser-Gebiet startete die israelische Armee einen Vergeltungsangriff, bei dem zwei Palästinenser verletzt wurden. Angegriffen wurde ein Trainingslager des bewaffneten Arms der Hamas. Die israelische Armee hatte zuvor mitgeteilt, dass eine Rakete aus dem Gazastreifen im Süden Israels eingeschlagen sei. (APA, 9.8.2015)

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