Jugend-Bike-Bewerb in Tirol: "Warum spielt mein Kind nicht Tennis?"

Reportage10. August 2015, 11:27
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Im Oberinntal fand am Wochenende das größte Moutainbike-Festival Europas für Jugendliche statt. Österreich trumpft mit Nachwuchs auf

Die Beinchen baumeln vom Sitz der Gondel. Der Vollvisierhelm am Schoß verdeckt den ganzen Oberkörper des kleinen Jungen. Knieschoner, Ellbogenschoner, Rückenprotektor – der Siebenjährige wird gleich mit seinem Rad Bergwege runterdonnern, auf denen so mancher Erwachsener zu Fuß aufgeben würde. Familienfreizeitgestaltung in Tirol.

Am Wochenende war der Bikepark der Region Serfaus-Fiss-Ladis, der auf einem Hochplateau über dem Inntal liegt, Austragungsort des größten Mountainbike-Bewerbs Europas für Jugendliche. Der "iXS Rookies Cup" für elf- bis 19-jährige Furchtlose gilt als die Feuertaufe junger Rennfahrer – wer sich hier bewährt, könnte für den Weltcup gescoutet werden.

ixs rookies cup
Über Stock und über Stein.

Die erste Disziplin am Samstag: Downhill. Es regnet leicht. Nasser Boden. Die Jugendlichen rasen über Wurzeln, Steinstufen, Erde, Brechsand, dazwischen immer wieder künstlich angelegte Holzrampen, über die sie springen müssen. Auf der Strecke legen sie 400 Höhenmeter zurück, eineinhalb Kilometer ist sie lang – das ist verdammt steil.

Alle Teilnehmer fahren auf doppelt gefederten Rädern, die dritte Federung sind die kleinen Körper, die im Takt der Abfahrt mitwippen. Als Zuschauer kann man es kaum fassen, dass die dünnen Ärmchen mancher besonders jungen Fahrer diesen Kraftakt aushalten.

200 Jugendliche aus 14 Nationen

Mit dabei: das österreichische Nachwuchstalent Valentina Höll. Die 13-jährige Salzburgerin ist die jüngste Bikerin weltweit, die jemals von einem Radhersteller unter Vertrag genommen wurde. In der U15-Klasse trat sie auch gegen Burschen an. Trotz eines Sturzes, der sie einige Zeit kostet, fährt sie als 12. ins Ziel, mit nur elf Sekunden Rückstand auf den Ersten. Am nächsten Tag wurde sie im Rahmen der "iXS Rookies Championships" in ihrer Altersgruppe zur Weltmeisterin gekürt. Hinter ihr Fahrerinnen aus den USA und Schweden.

Der 17-jährige Niederösterreicher Moritz Ribarich, regierender österreichischer U17-Downhill-Staatsmeister, dominierte in seiner Klasse bei dem Bewerb in Tirol – trotz eines "ziemlich misslungenen Laufs", wie er selbst sagt. Er wurde dennoch "iXS Rookies"-Weltmeister mit satten fünf Sekunden Vorsprung vor dem deutschen Fahrer Jan Flor und dem Briten Jack Tennyson.

Insgesamt nahmen über 200 Jugendliche aus 14 Nationen teil – hauptsächlich Amateursportler. Im Zieleinlauf standen die gleichermaßen stolzen wie verzweifelten Eltern. "Warum spielt mein Kind nicht einfach Tennis", ruft eine Mutter, deren Sohn gestürzt war. Auch eine andere erklärt, dass sie dem Kind sämtlich Sportarten schmackhaft hätte machen wollen: "Aber er baut immer nur Schanzen im Garten und springt mit dem Rad drüber."

Saltos und Tricks

Zweite Disziplin: Slopestyle – da werden auf einem Parcours mit mehreren Schanzen und Rampen spektakuläre Tricks gesprungen. Die Fahrer sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Sie schlagen Saltos, die Eltern ein Kreuz. In engen Jeans strampeln die Jungs – auf der Strecke in die Pedale, bei Sprüngen haxeln sie in der Luft, nur die Hände berühren das Rad: "No Foot Can Can" nennt man das dann. Und es sieht aus, als wäre es physikalisch unmöglich.

Schlussendlich gab es 22 Verletzte, aber auch dutzende glückliche Kindergesichter. "Der Sport ist einfach so der Wahnsinn", sagt Valentina Höll nach dem Rennen. "Na, solange es nur blaue Flecken sind", seufzt dann auch eine zuvor noch sehr besorgte Mutter. Ihr Sohn wolle aber am nächsten Tag gleich wieder biken gehen. "Was soll's", sagt sie – und lächelt auch. (Katharina Mittelstaedt, 10.8.2015)

  • Go big or go home – diese Bikeweisheit nahmen schon die Jüngsten sehr ernst.
    foto: felix oesterle

    Go big or go home – diese Bikeweisheit nahmen schon die Jüngsten sehr ernst.

  • Die Strecke war extrem ruppig, technisch und steil: U17-Weltmeisterin Paula Zibasa aus Lettland.
    foto: felix oesterle

    Die Strecke war extrem ruppig, technisch und steil: U17-Weltmeisterin Paula Zibasa aus Lettland.

  • Die letzten Sekunden vor einem kapitalen Sturz. Die jungen Fahrer testen die Grenzen der Schwerkraft.
    foto: felix oesterle

    Die letzten Sekunden vor einem kapitalen Sturz. Die jungen Fahrer testen die Grenzen der Schwerkraft.

  • Der Holländer Ike Klaassen, Weltmeister U13, wiegt wohl kaum mehr als sein Fahrrad, das er im Höllentempo den Berg runterjagt.
    foto: felix oesterle

    Der Holländer Ike Klaassen, Weltmeister U13, wiegt wohl kaum mehr als sein Fahrrad, das er im Höllentempo den Berg runterjagt.

  • Der Österreicher Moritz Ribarich (Mitte) dominiert die U17-Klasse.
    foto: felix oesterle

    Der Österreicher Moritz Ribarich (Mitte) dominiert die U17-Klasse.

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