Eigentor bringt ManUnited Sieg über Spurs

8. August 2015, 16:10
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Beim Saisonauftakt bleibt trotz eines 1:0-Erfolges noch vieles Stückwerk – Schweinsteiger debütiert nach einer Stunde – Wimmer verfolgt Niederlage von der Bank – Sieg für Fuchs, Punkt für Prödl

Manchester/Wien – Louis van Gaal hat ein bisschen Druck. Der Manager will mit Manchester United englischer Meister werden, doch es bleiben nur noch zwei Jahre Zeit. Schließlich hat der niederländische General seiner Herzdame versprochen, 2017 das Zepter an den Nagel zu hängen.

Der Stapellauf des Unternehmens Titel erfolgte am Samstag im Heimspiel vor 75.261 Zuschauern gegen Tottenham Hotspur. Und es wurde rasch deutlich, dass der Weg ein steiniger werden könnte. Van Gaals Team, vorerst noch ohne den mit körperlichen Defiziten behafteten Neuzugang Bastian Schweinsteiger, begann am 64. Geburtstag des Chefs zögerlich.

United stand tief gestaffelt in der Gegend herum, ließ dem Gegner dabei aber trotzdem viel zu viele Räume. Pressing? Fehlanzeige. Dazu wackelte Tormann Sergio Romero, der den abwanderungswilligen David de Gea vertrat, mit dem Fuß nach Noten. Jeder Rückpass auf den Argentinier geriet zum Wagnis. Die Londoner, bei denen der österreichische Neuzugang Kevin Wimmer nicht zum Einsatz kam, dominierten und fanden auch Chancen vor. Die beste vergab Christian Eriksen, der eine gefühlvolle Vorlage Harry Kanes knapp über die Querlatte setzte.

Walker übernimmt Rooneys Job

Angesichts dieser Umstände empfanden die Roten vermutlich besonders süße Triumphgefühle, als in Führung gingen. Trotzdem. Irgendwie. Eingeleitet wurde das Verhängnis aus Spurs-Sicht durch einen Fehlpass von Nabil Bentaleb im Mittelfeld. Memphis Depay marschierte, Ashley Young legte herein auf Wayne Rooney. Doch der musste gar nichts mehr tun, denn der heranrauschende Kyle Walker ließ es sich nicht nehmen, den Ball ins eigene Gehäuse zu bugsieren. United hatte getroffen, ohne einen Torschuss abgegeben zu haben (23.). Schade für Walker, der bis dahin eine gute Leistung gezeigt hatte.

Ab diesem Zeitpunkt kam Manchester endlich zu mehr Ballbesitz, gewann Sicherheit, übernahm das Kommando. Juan Mata griff nach dem Dirigentenstab, zumindest ein bisschen. Tottenham dagegen stellte das Spielen ein, die doch recht junge Elf wirkte angeknockt. Sie kam nun ihrerseits mit den früher störenen Red Devils nicht zurecht. Frühe Ballverluste ließen keinen Spielaufbau mehr zu.

Mata bekam zwei Chancen für einen Abschluss zugestanden, verzog von der Strafraumgrenze recht knapp (36.). Viel tat sich gegen Ende der ersten 45 Minuten aber hüben wie drüben nicht mehr. Leerlauf hatte sich eingestellt. Die Spurs brachten mittlerweile nur noch Zeitlupengeschiebe ihrer Innenverteidiger zustande. Und auch United ließ wieder nach, schnaufte vielleicht auch durch. Selbst in England war es warm.

Gelb für den Weltmeister

In der Pause hatten die Gäste dann offenbar neuen Mut geschöpft. Tottenham begann die zweite Halbzeit wieder mit Fußball, jedoch einem der reichlich harmlosen Art. Nach einer Stunde war es dann soweit: Schweinsteiger kam für Michael Carrick in die Partie. Nach 65 Minuten prüfte Young Spurs-Keeper Michel Vorm – es war der erste Schuss aufs Tor von United, dem es weiterhin an Linie mangelte. Dass vier von fünf Sommerneuzugängen in der Anfangsformation standen, mochte hierbei seine Rolle gespielt haben.

Schweinsteiger zeigte sich erstmals mit einem sogenannten taktischen Foul an Nacer Chadli. Gelb für den Weltmeister (69.), dessen Debüt ansonsten dezent verlief. In der 73. Minute ging ein Volley Rooneys nach Durchbruch des starken Italieners Matteo Darmian auf der rechten Seite schief. Andernfalls wäre es spektakulär geworden.

In der Defensive stand United nun besser, arbeitete generell sehr willig, kombinatorischer Fluss war jedoch kaum zu sehen. Letzteres galt ebenso für Tottenham, die phasenweise zerfahrene Partie erreichte nur ein durchschnittliches Niveau. Toby Alderweireld gelang noch ein sehenswerter Diagonalpass über das halbe Feld auf Eriksen, der einen schnellen Abschluss suchte und in Romero seinen Meister fand. Da waren bereits 85 Minuten absolviert.

Tottenham setzte zu einer Schlussoffensive an, noch einmal konnte Romero bei einem Schuss des dänischen Mittelfeldspielers sein Können zeigen. Trotz finaler Belagerung fiel der Ausgleich nicht mehr, er wäre nicht unverdient gewesen.

Prödl von Beginn an, Fuchs eingewechselt

In weiteren Samstag-Partien holte Sebastian Prödl mit Aufsteiger Watford ein 2:2-Remis bei Everton, der Steirer spielte in der Innenverteidigung durch. Christian Fuchs wurde beim 4:2-Heimsieg von Leicester City gegen Sunderland in der 77. Minute für den zweifachen Torschützen Riyad Mahrez eingewechselt.

Titelverteidiger Chelsea kam Abends vor eigenem Publikum gegen Swansea City nur zu einem 2:2. Oscar (23.) traf für das Mourinho-Team, Swanseas Federico Fernandez steuerte ein Eigentor bei (30.). Andre Ayew (29.) und Bafetimbi Gomis (55./Foulelfmeter) konnten aber in einer unterhaltsamen Partie zweimal für die Gäste ausgleichen.

Dem Elfmeter vorausgegangen war eine Notbremse von Chelsea-Torhüter Thibaut Courtois an Gomes. Der Belgier sah dafür die Rote Karte, für ihn wanderte der kürzlich von Stoke City erworbene Asmir Begovic zwischen die Pfosten. Erstmals startete "The Only One" damit nicht mit einem Sieg in eine neue PL-Saison. (Michael Robausch – 8.8. 2015)

Manchester United: Romero, Darmian (81. Valencia), Smalling, Blind, Shaw, Carrick (60. Schweinsteiger), Schneiderlin, Mata, Depay (68. Herrera), Young, Rooney

Tottenham Hotspur: Vorm, Walker, Alderweireld, Vertonghen, Davies, Dier (77. Alli), Bentaleb (53. Mason), Dembélé (68. Lamela), Eriksen, Chadli, Kane

  • Kyle Walker nahm Wayne Rooney die Arbeit ab.
    foto: reuters/cairnduff

    Kyle Walker nahm Wayne Rooney die Arbeit ab.

  • Nach einer Stunde war es soweit: Premier League mit Bastian Schweinsteiger.
    foto: ap/super

    Nach einer Stunde war es soweit: Premier League mit Bastian Schweinsteiger.

  • Sebastian Prödl zeigt bei seinem ersten Auftritt in der Premier League seine Stärke in der Luft auch gegen Evertons Goalgetter Romelu Lukaku.
    foto: reuters/smith

    Sebastian Prödl zeigt bei seinem ersten Auftritt in der Premier League seine Stärke in der Luft auch gegen Evertons Goalgetter Romelu Lukaku.

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