Bademeister – Arbeiten am Beckenrand des Lebens

8. August 2015, 17:00
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Die zwei berühmtesten Bademeister der Welt heißen David Hasselhoff und Ralf Möller. Beide leben in Hollywood. David Hasselhoff hat einst in der TV-Serie Baywatch im Verein mit Kolleginnen, deren Brüste von allein über Wasser bleiben, den Badewaschl nur gespielt – wobei man sagen muss: Mit Schauspiel hatte Baywatch eigentlich wenig zu tun. Ralf Möller war vor seiner Karriere als Bodybuilder und als Nebendarsteller in B-Movies als drittes, mit Sixpack bestücktes Cornetto von links, das im ersten Filmdrittel stirbt, tatsächlich Bademeister. In seiner deutschen Heimat Recklinghausen nennt man das allerdings Schwimmmeister. Das klingt sportlicher.

Schwimmmeister ist auch in Österreich ein während der derzeitigen Hitzewelle von mehr Österreichern denn je tatsächlich vor Ort angesehener Beruf. Wobei man sagen muss: Angesehen bedeutet hier oft auch: schief angesehen. Vom proletarischen Image und der sexuellen Anziehungskraft her dient ein Freibad mit durchtrainiertem Bademeister zwar ziemlich oft als erzählerischer Rahmen von Pornofilmen mit Handlung (bitte jetzt keine Witze über das Wiener Krapfenwaldlbad!). Insofern besitzt ein Bademeister mächtig viel symbolisches Kapital.

In Wahrheit stellt man sich dann aber doch eher einen abgerockten Typen mit verspiegelter Sonnenbrille, Goldketterl, breitem Gang und Bierbauch vor. Er tut wahnsinnig cool und bewegt sich nur in Zeitlupe. Immerhin hat er vor 20 Jahren Billy the Kid erschossen. Der Hundsbua wollte mit einer aus Hygienegründen verbotenen Unterhose unter den Bermudas ins Freischwimmerbecken hüpfen. Peng, peng: Bademeister diskutieren nicht.

Mit 2.500 Euro brutto Gehalt kann man zwar selbst keine großen Sprünge machen. Dafür muss sich ein Bademeister aber real mit respektlosen Gfrastern mit hormonellem Überdruck herumschlagen, die sich gegenseitig lustig vom Zehnmeterturm werfen, Frauen ertränken und sich mittels Grunzlauten oder Arschbomben verständigen.

Neben Lebensrettung, Reinigung der Becken und Instandhaltungsarbeiten macht einem Bademeister aber auch die Sonne zu schaffen. Die hängt sich körperlich ganz schön an; vor allem, weil man am Ende eines Arbeitstages weniger Groupies am Hals, dafür unten aber schmerzende Füße hat. Bademeistersein bedeutet nicht, wie ein Fisch im Wasser zu sein. Es bedeutet Hatschen entlang des Beckenrands des Lebens. (Christian Schachinger, 8.8.2015)

  • Der Bademeister hat gerade Hochsaison.
    foto: apa/barbara gindl

    Der Bademeister hat gerade Hochsaison.

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