Von IS-Miliz entführter Kroate: Ultimatum abgelaufen

7. August 2015, 13:14
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Jihadisten drohten mit Ermordung – Behörden suchen "intensiv" nach 31-Jährigem

Kairo/Zagreb – Sorge um einen von der Jihadisten-Organisation "Islamischer Staat" (IS) in Ägypten entführten Kroaten. Um 17.35 Uhr lief ein Ultimatum an die ägyptischen Behörden ab. Demnach wollten die Islamisten den 31- Jährigen töten, wenn die Regierung in Kairo nicht inhaftierte "muslimische Frauen" freilasse.

Das ägyptische Außenministerium erklärte vor Ablauf der Frist laut Nachrichtenagentur AFP, die Behörden seien "intensiv bemüht", den Aufenthaltsort des Kroaten ausfindig zu machen. Die Extremisten hatten am Mittwoch in einem Video gedroht, den Mann binnen 48 Stunden hinzurichten, sollte die Regierung nicht die inhaftierten Musliminnen freilassen, wobei nicht klar war, um wen es sich dabei handelt.

Außenministerin in Kairo

Auch die Bemühungen Kroatiens zu Rettung des kroatischen Staatsbürgers liefen auf Hochtouren. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic sprach am Freitag in der Früh in einem Telefonat mit ihrem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi über den Entführten. Details über das Gespräch könne die Präsidentin zunächst aber nicht bekannt geben, berichteten die Medien. Bereits am Donnerstag war Außenministerin Vesna Pusic in Begleitung der Ehefrau der Geisel nach Kairo gereist. Pusic beriet mit ihrem Amtskollegen Sameh Shukri.

Den Appellen zur Freilassung des 31-Jährigen schloss sich auch die islamische Gemeinschaft in Kroatien an. Der Mufti von Kroatien Aziz Hasanovic habe sich am Donnerstag an die einflussreichsten Stellen in Ägypten mit einem Appell zur Rettung des Kroaten gewendet, hieß es in einer Mitteilung der islamischen Gemeinschaft. Er rief die ägyptische Regierung, den Großmufti von Ägypten und den Al-Azhar-Scheich dazu auf, mit ihrem Einfluss und ihrer Autorität alles zu unternehmen, um das Leben von Tomislav S. zu retten. Auch der Vater des 31-Jährigen hat bereits die Geiselnehmer gebeten, seinen Sohn zu verschonen.

Experten befürchten allerdings, dass die Chancen zur Rettung des Kroaten äußerst klein sind. "Grundsätzlich sind die Chancen in solchen Situationen sehr begrenzt, denn die Behörden wollen mit Terroristen nicht verhandeln. Ich befürchte, dass die ägyptischen Behörden dazu nicht bereit sind", sagte der frühere kroatische Botschafter in Ägypten, Daniel Bucan, im kroatischen Fernsehen. Die IS-Miliz ermordete im vergangenen Jahr eine Reihe von Ausländern vor laufender Kamera, nachdem ihre Forderungen nicht eingelöst worden waren.

Tomislav S., Vater zweier Töchter, war am 22. Juli in einem Außenbezirk von Kairo verschleppt worden. Nach Angaben seines Vaters hätte er am nächsten Tag nach Hause zurückkehren sollen. Der 31-Jährige arbeitete in Ägypten für Ardiseis, eine ägyptische Tochter des französischen Erdölunternehmen CGG. Er ist der erste Ausländer, der vom ägyptischen IS-Ableger entführt wurde und mit dem Tode bedroht wird.

Das am Mittwoch vom ägyptischen IS-Ableger auf dem Sinai im Internet veröffentlichte Video zeigt S. kniend zu Füßen eines vermummten Mannes mit einem Messer. Für Präsident Sisi wäre die Ermordung des Kroaten ein Rückschlag in seinem Bemühen, durch eine massive Militäroffensive auf der Sinai-Halbinsel die Jihadisten zurückzudrängen. Zudem würde eine Ermordung von Tomislav S. auch die ausländischen Touristen und Unternehmen weiter verunsichern. Der Tourismus in Ägypten ist seit dem politischen Umsturz im Frühjahr 2011 ohnehin massiv eingebrochen, auch viele ausländische Firmen meiden das Land, dessen Wirtschaft seit Jahren in einer tiefen Krise steckt.

Der Vater der Geisel bat die Entführer am Donnerstag laut AFP, seinen Sohn zu verschonen. "Ich bitte die Leute, die meinen Sohn festhalten, ihn zu seiner Familie zurückkehren zu lassen, denn der einzige Grund seines Aufenthalts in Ihrem Land war es, Geld zu verdienen, um seine Kinder zu ernähren", sagte Zlatko S. in seinem kroatischen Heimatort Vrpolje. Er bat auch den französischen Präsidenten Francois Hollande, sich für die Freilassung seines Sohnes einzusetzen. (APA, 7.8.2015)

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