Was tun mit unseren Problemzahnärzten?

Kolumne7. August 2015, 17:00
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Lektionen aus dem Fall Walter Palmer

Tupfer, Miss Jennifer! Der Mahlzahn plombiert, die Wurzelkanäle ausgeräumt und alle Schneidezähne blitzblank verblendet, so wie es die Amerikaner gern haben. Nach so viel konstruktivem Tun fühlt sich Doktor Palmer häufig ausgelaugt und denkt nach, mit welchem Ausgleichssport er destruktiv von der Alltagsfron ausspannen könnte.

Sollte er einen Faun filetieren? Einen Pandabären sodomieren? Eine Sau sengen? Ein Zebra zwiebeln? Nichts von alledem. Doktor Palmer, das weiß die Welt inzwischen, hat sich entschlossen, den greisen Löwen Cecil in Simbabwe abzumurksen. Der Mann ist blutrünstig. Dem Mann wäre zuzutrauen, dass er auch die liebsten Tiere der Österreicher (Lindwurm Klagenfurt, "Ja! Natürlich"-Schweinchen) über den Haufen schießt.

Ein Internet-Shitstorm in Orkanstärke ließ nicht auf sich warten. Sobald sich der Fäkalienflug gelegt hat, werden wir an einer Debatte, wie die Gesellschaft mit Problemzahnärzten umgehen soll, nicht vorbeikommen. Damit wir uns recht verstehen: Die Sorgenkinder sind eine kleine Minderheit. Beim Gros der Zahnärzte handelt es sich um tadellos brave Bohrer. Sie metzeln keine Großkatzen, sondern üben harmlose zahnarzttypische Hobbys aus (Wandern, Golf, Vermehrung des Privatvermögens).

Schwarze Schafe gibt es aber. 2014 wurde ein Zahnarzt in Gera (Thüringen) zu zwei Jahren verurteilt, weil er Mitarbeiterinnen in 211 Fällen heimlich beim Umziehen gefilmt hatte. Ein Klagenfurter Kollege fasste 2012 vier Monate bedingt aus, nachdem er betrunken mit einer Glock-Pistole auf die Gattin geschossen hatte ("Wollte ihr einen Schreck einjagen"). Auch Dr. Szell aus dem Marathon Man ist manchem Kinogeher ungut in Erinnerung.

So gesehen empfählen sich berufsspezifische Selbsthilfegruppen mit möglichst hemdsärmeliger Namensgebung, um den Betroffenen die Schwellenangst zu nehmen ("Selbsthilfegruppe Perverse Pappenschlosser e. V.").

Zudem wäre es hilfreich, wenn alle Zahnbesitzer kollektiv daran mitwirkten, dubiose Verhaltensweisen ihrer Zahnärzte schon im Vorfeld zu identifizieren. Misstrauisch stimmen sollten Bemerkungen wie "Wenn Sie nochmals mit so schlecht geputzten Zähnen kommen, schieße ich drei Elefanten ab." Bei solchen Wortmeldungen läge der Verdacht, dass Sie es mit einem Problemzahnarzt zu tun haben, klar auf der Hand. (Christoph Winder, Album, 7.8.2015)

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