Japanische Notenbank glaubt an Wirtschaftserholung

7. August 2015, 10:38
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Notenbank belässt Geldflut auf aktuellem Niveau

Tokio – Die japanische Notenbank hält ihre Geldschleusen weit geöffnet und blickt überraschend zuversichtlich auf die Konjunktur. Die Bank of Japan (BoJ) hielt am Freitag an ihrem Programm fest, Anleihen und sonstige Wertpapiere in Volumen von jährlich 80 Billionen Yen (588,5 Mrd. Euro) aufzukaufen.

Der Leitzins liegt bereits nahe null. Deshalb pumpt die Notenbank viel billiges Geld in das Finanzsystem, um bei den Bürgern den Konsum anzukurbeln und Firmen zu mehr Investitionen anzuregen. "Die japanische Wirtschaft erholt sich weiter moderat," sagte Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda. Zwar laste die zeitweilige Wachstumsschwäche in den USA im ersten Quartal und eine schleppende Nachfrage aus Asien auf den Exporten. "Aber wir erwarten, dass die Exporte zulegen werden." Die Konjunktur in Übersee ziehe an und der schwachen Yen sorge für Unterstützung.

Auch die Produktion werde graduell steigen, obwohl es Schwankungen gebe. "Mehr Unternehmen erhöhen die Preise ihrer Waren und Dienstleistungen, was zeigt, dass der zugrundeliegende Inflationstrend sich verbessert", sagte Kuroda. Die Notenbank erwartet weiterhin, dass sich die Inflationsrate auch ohne zusätzlichen geldpolitischen Anschub in Richtung der angestrebten Zielmarke von zwei Prozent nach oben bewegt.

Nachfrage bleibt schwach

Zuletzt hatten die Anzeichen zugenommen, dass die Wirtschaft des Landes im zweiten Jahresquartal geschrumpft ist und die Nachfrage der Verbraucher schwach blieb. Viele Volkswirte rechnen deshalb damit, dass am 17. August anstehende Konjunkturdaten einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Quartal zeigen werden. Manche Experten fragen sich daher, ob nicht noch weitere geldpolitische Schritte erforderlich sind: "Die Verbraucherpreise könnten in negatives Terrain fallen und dort länger bleiben als erwartet", sagte Rentenstratege Shuji Tonouchi von der Investmentbank Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. Die BoJ könnte im Oktober ihre Geldpolitik weiter lockern.

Japans Wirtschaft wurde über zehn Jahre durch eine Abwärtsspirale aus fallen Preisen und sinkenden Löhnen ausgebremst. Verbraucher setzten dann auf immer weiter sinkende Preise, was dem Einzelhandel zusetzte. Auch die Unternehmen hielten sich mit größeren Investitionen zurück. Für eine Notenbank ist es sehr schwer, einen solchen gefährlichen Kreislauf – in der Fachwelt "Deflation" genannt – mit geldpolitischen Mitteln aufzubrechen. Die Bank von Japan versucht dies mit einer immensen Geldflut. (APA/Reuter, 7.8.2015)

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