Rex Neo: 19-Jähriger will Prozessoren revolutionieren und Supercomputer bauen

7. August 2015, 11:58
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Starke Energieersparnis durch Verzicht auf Caches versprochen – erste CPUs sollen 2017 vom Band laufen

Thomas Sohmers wohnt in San Francisco und Boston. Der 19-Jährige hat seine Schulausbilldung abgebrochen, bastelt in seiner Freizeit gerne an Hardware herum und spielt gern Gitarre. Seinen Altersgenossen hat er allerdings etwas voraus: Er führt ein Unternehmen, das es in den kommenden Jahren mit Chipriesen wie Intel oder Texas Instruments aufnehmen will.

Das ehrgeizige Ziel: Eine Revolution im Prozessorenbereich. Rex Computing will mit einer eigenen Prozessorarchitektur namens "Neo" antreten. Sie soll bei gleicher Rechenleistung im Vergleich zu herkömmlichen CPUs viel weniger Strom aufnehmen. Das erste Ziel ist es, damit Supercomputer zu bauen.

Namhafte Förderer

Die Pläne sollte man dabei nicht als hoffnungslosen Luftschlossbau eines jungen Erwachsenen abtun, denn Sohmers verfügt über namhafte Unterstützer. Erst im Juli machten Investoren zu ihren bisherigen Beiträgen 1,25 Millionen Dollar locker, um Sohmers die Anstellung weiterer Ingenierue zu ermöglichen, berichtet The Platform.

Dazu ist auch die DARPA, eine vornehmlich mit Forschungsagenden befasste Behörde des US-Verteidigungsministeriums, schon eine Weile mit an Bord. Von Anfang an mit dabei ist auch der Investor Peter Thiel, der die Gründung von Rex erst ermöglichte. Sohmers selbst arbeitet und forscht am Institute for Soldier Nanotechnologies am renommierten Massachussetts Institute of Technology (MIT).

In Sachen Energieeffizienz soll Rex Neo herkömmlicher Hardware wie diesem AMD-Prozessor enorm überlegen sein.

Kampf den Caches

Supercomputer sind jedoch nur der Anfang, schreibt Technology Review. Sohmers versteht Rex Computing nicht als reinen "Performance-Anbieter" und will in weiterer Folge die Neo-Prozessoren auch für Server und normale Rechner umsetzen. Doch was unterscheidet sein Produkt von jenen der Konkurrenten?

Als Übel der heute überall verwendeten Prozessoren will Sohmers ihre Zwischenspeicher (Caches) ausgemacht haben. Seinen Berechnungen nach erhöht die ständig durchgeführte Zwischenspeicherung von Daten den Energieverbrauch um gut das Vierzigfache. Die Speichersteuerung soll bei Neo-Prozessoren von Software übernommen werden, um bei gleicher Rechenleistung erheblich weniger Energie zu verbrauchen.

Kommerzielle Verfügbarkeit ab 2017 geplant

Die Vorteile liegen auf der Hand. In Rechenzentren ließen sich damit Energie- und Klimatisierungskosten sparen, andere Computer würden von gesteigerter Performance bei gleicher Leistungsaufnahme profitieren. Eine Umsetzung für Mobilgeräte würde sich vorteilhaft auf die Akkulaufzeit auswirken.

Wenn die Entwicklung glückt, soll es bereits nächtes Jahr erste Prototypen des neuen Prozessortyps geben. 2017 würden die ersten finalen Chips aus der Fertigung kommen. Erste Zielgruppe sind Unternehmen mit hohem Bedarf an energieeffizienten Lösungen. Diese werden allerdings Hilfe bei der Implementierung der neuen Hardware benötigen, meint Sohmers. Denn die alternative Prozessorarchitektur setzt entsprechend angepasste Software voraus und dafür auch selbst einigen Entwicklungsaufwand betreiben müssen. (gpi, 07.08.2015)

foto: rex computing
Das Layout von Rex Neo.
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