Technikstudentinnen trauen oft ihrer eigenen Begabung nicht

7. August 2015, 10:35
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Untersuchung zeigt immer noch vorhandene Selbstzweifel weiblicher Studierender in als frauenuntypisch geltenden Studienfächern

Krems/Graz – Selbst Frauen, die bereits ein Studium im sogenannten MINT-Feld – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – absolvieren, schätzen sich oft als weniger geeignet oder begabt als ihre männlichen Kollegen ein. Das zeigte sich bei einer mit Beteiligung österreichischer ForscherInnen durchgeführten Untersuchung in Deutschland.

Ein Team um den Bildungsforscher Bernhard Ertl von der Donau-Universität Krems ging im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts der Frage nach, wie 567 Studentinnen aus Deutschland, die ein für Frauen eher untypisches Studium in einem MINT-Fach belegen, ihre einschlägigen Fähigkeiten einschätzen. In ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen lag der Frauenanteil 2014 in Deutschland beispielsweise nur bei 18,5 Prozent (Österreich: 28,8 Prozent), berichten die ForscherInnen im Fachblatt "Gruppendynamik & Organisationsdynamik".

Geschlechterstereotype zeigen Wirkung

Sogar Frauen, die sich für ein MINT-Studium entschieden haben, "berichten von Geschlechterstereotypen, mit denen sie konfrontiert worden sind", erklärte die Ko-Autorin der Studie Silke Luttenberger vom Institut für Psychologie der Universität Graz. Viele Befragte gaben an, bereits in der Schule oder im Elternhaus indirekt mit solchen Meinungen in Berührung gekommen zu sein. Das zeige Wirkung: "Die glauben dann nach wie vor: Frauen sind schlechter geeignet oder weniger begabt für diesen Bereich."

Je niedriger der Frauenanteil in einem Studium, desto wichtiger wird das Zutrauen in das eigene Können bei den Studentinnen. "Die Hürde scheint dann höher zu sein. Man muss sich wirklich als 'gut' erlebt haben, die soziale Unterstützung und die Überzeugung 'Ich kann in dem Beruf erfolgreich sein' haben", sagte die Forscherin.

Konkrete Erfahrungen im beruflichen Umfeld

Der große Einfluss des Umfeldes lasse sich daran ablesen, dass bei ungefähr 40 Prozent der Befragten MINT-Studentinnen die Väter in dem Bereich tätig sind. Luttenberger: "Für diese jungen Frauen war es zum Beispiel ein Schlüsselerlebnis, als ihr Vater einmal aus dem Labor Trockeneis mitgebracht hat und damit experimentiert wurde. Viele haben also ein Rollenmodell gehabt, das ihnen in einer Art und Weise den Weg geebnet hat."

Trotzdem seien auch sie nach der Studienentscheidung in diese Richtung von Stereotypen beeinflusst. Um das zu verändern, brauche es mehr Möglichkeiten für Mädchen, früh konkrete Erfahrungen im beruflichen Umfeld zu machen, und Kontakte zu weiblichen Vorbildern, die erfolgreich im MINT-Bereich tätig sind. (APA, 7.6.2015)

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