Zehn Jahre Mobilfunk-Umbau: Franzosen und Amis weg, Mexikaner da

7. August 2015, 08:31
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One und der Nachfolger Orange verschwanden – Beim ehemaligen Staatsbetrieb Telekom Austria hat mittlerweile der mexikanische Milliardär Carlos Slim das Sagen

Am 10. August 2005 wurde die Marktbereinigung im Mobilfunk-Preisparadies Österreich mit dem Verkauf von Telering an T-Mobile eingeläutet. Der erwartete Preisanstieg blieb aus, die Rolle des Preisbrechers übernahm "3". Doch als "3" schließlich den Mitbewerber Orange übernahm, schien es mit dem Preiskampf vorbei zu sein – bis der Diskonter Hofer mit "HoT" der Branche wieder einheizte.

Im folgenden eine Chronologie der vergangenen zehn Jahre Mobilfunk in Österreich:

August 2005: T-Mobile Austria kauft Telering um 1,3 Mrd. Euro und schließt mit 3 Millionen Kunden zu Marktführer Telekom Austria mit 3,3 Millionen auf. T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl – nunmehr Boss der Österreichischen Post – spricht von einem "Angriff auf die Marktführerschaft" und kündigt einen Mitarbeiterabbau an. Verkäufer von Telering ist der US-Konzern Western Wireless.

Juni 2007: Der drittgrößte österreichische Mobilfunkbetreiber One (zuvor Connect Austria) erhält einen neuen Eigentümer. Die France Telekom-Mobilfunktochter Orange und der ungarische Finanzinvestor Mid Europa Partners haben sich in einem Versteigerungsverfahren gegen die niederländische KPN durchgesetzt. Der Kaufpreis beträgt 1,4 Mrd. Euro.

Juni 2007: Der US-Computerkonzern Apple bringt das iPhone auf den Markt und revolutioniert die Handybranche. Dank des "Kult-Handys" kommt es zum schon lange angekündigten Durchbruch bei der mobilen Datennutzung. In Österreich ist T-Mobile der erste, der den Verkaufsschlager – fast ein Jahr nach dem Startschuss in den USA – auf den Markt bringt.

Februar 2012: Der viertgrößte Netzanbieter "3" kauft den drittgrößten Betreiber "Orange" für 1,3 Mrd. Euro. Gleichzeitig gibt "3" die Orange-Tochter "Yesss!" für 390 Mio. Euro an die Telekom Austria ab.

Juni 2012: Der mexikanische Milliardär Carlos Slim kauft mit seiner America Movil 21 Prozent an der Telekom Austria. Verkäufer ist der umtriebige österreichische Industrielle Ronny Pecik. Slim gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Die Österreicher halten über die Staatsholding ÖIAG (nunmehr ÖBIB) weiterhin 28,4 Prozent an dem ehemaligen staatlichen Monopolisten.

Februar 2014: Johannes Gungl wird neuer Chef der Regulierungsbehörde RTR, er folgt auf Georg Serentschy. Gungl war fünf Jahre Chefjurist beim mittlerweile nicht mehr am Markt vertretenen Mobilfunkanbieter Orange.

Juli 2014: America Movil hält bei der Telekom endgültig das Zepter in der Hand. Die Mexikaner haben ihren Anteil von 27,2 auf 51 Prozent erhöht. Den Syndikatsvertrag der Mexikaner mit der Telekom kennt nicht einmal Telekom-Chef Hannes Ametsreiter. Er verlässt mit 31. Juli 2015 den Konzern in Richtung Vodafone Deutschland, um dort auf dem Chefsessel Platz zu nehmen.

November 2014: Die ÖIAG stemmt gemeinsam mit America Movil eine Kapitalerhöhung von 891 Mio. Euro. Der ÖIAG-Anteil liegt bei 287 Mio. Euro.

Jänner 2015: Der ehemalige Telering-Chef und nunmehrige Rapid-Präsident Michael Krammer steigt bei dem Diskonter Hofer mit der Mobilfunkmarke HoT ein. Der darniederliegende Preiskampf nimmt daraufhin wieder Fahrt auf.

30. Juli 2015: Die letzten verbliebenen 12 Telering-Shops werden geschlossen. T-Mobile führt künftig nur noch Zwei-Marken-Geschäfte, also T-Mobile-Shops mit eigenen Telering-Bereichen. (APA, 7.8. 2015)

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