TV-Debatte: Donald Trump bricht alle Regeln

Analyse7. August 2015, 07:07
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Der New Yorker Milliardär zwingt die Republikaner, sich der wütenden weißen Mittelschicht zuzuwenden, und verprellt die Spanisch sprechenden Einwanderer

Eigentlich hatten die Republikaner inhaltliche Akzente setzen wollen. Eigentlich wollten sie ihre erste Fernsehdebatte nutzen, um im Wahlkampf ums Weiße Haus die konservative Alternative zu Hillary Clinton zu skizzieren. Doch momentan dreht sich alles um Donald Trump, den Immobilientycoon mit übergroßem Ego.

foto: ap/harnik
Herrenabend: Die republikanischen Kandidaten (v. li.) Chris Christie, Marco Rubio, Ben Carson, Scott Walker, Donald Trump, Jeb Bush, Mike Huckabee, Ted Cruz, Rand Paul und John Kasich beim TV-Duell.

Staunend verfolgen die Amerikaner, wie der New Yorker Milliardär mit allen Regeln des politischen Betriebs bricht. Und von dieser Debattennacht wird wohl nur eines in Erinnerung bleiben: Trump schließt nicht aus, dass er als Unabhängiger ins Rennen ums Oval Office geht, falls er nicht gewinnt beim Kandidatenwettstreit der Republikaner. 2016 kann sich also wiederholen, was 1992 den Amtsinhaber George Bush im Duell mit dem demokratischen Herausforderer Bill Clinton den Kürzeren ziehen ließ. Damals war es der texanische Geschäftsmann Ross Perot, der als Unabhängiger vor allem im konservativen Lager punktete und Bush damit auf die Verliererstraße brachte. Falls er es ernst meint, könnte Trump der Ross Perot des Jahres 2016 werden.

foto: reuters/brian snyder
Donald Trump hat gerade festgestellt, dass eine Kritik von Mike Huckabees nicht ihm, sondern Hillary Clinton galt. Während der TV-Show reagiert er "erleichtert".

Wichtige Stimmen der Hispanics

Schon jetzt hat er den Ton der Kampagne verändert. Er zwingt die Republikaner, sich verstärkt jener wütenden weißen Mittelschicht zuzuwenden, die mit dem Aufstieg spanischsprechender Einwanderer die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg verbindet. Aus Sicht der Parteistrategen ist es eine fatale Weichenstellung. Ohne die Stimmen der Hispanics, das wissen sie nur zu genau, lässt sich in den Vereinigten Staaten keine Wahl mehr gewinnen. Was Trump mit seiner absurden Hetze gegen "Vergewaltiger" und "Mörder" aus Mexiko erreicht, ist, genau diese Wählergruppe einmal mehr vor den Kopf zu stoßen.

Nur: Außer populistischen Sprüchen und hemmungsloser Eigenwerbung, das hat der Diskurs in Cleveland deutlich gemacht, hat er nichts anzubieten. Zu beobachten war ein Mann, der wirkte wie ein in den Achtzigerjahren steckengebliebener Macho, wie einer, der in der Seifenoper "Dallas" die Rolle des Fieslings zu spielen hat.

Kein Zweifel, Trump war der Verlierer des Abends. Gut möglich, dass sein Stern schon bald sinkt, zumal ihn die republikanische Basis nun für einen unsicheren Kantonisten hält, der, statt sich im Zweifelsfall einzuordnen, schlicht seinen Egotrip fortsetzen will. Klar ist auch: Jeb Bush, noch vor Wochen als klarer Favorit gehandelt, dürfte gegen jüngere Konkurrenten wie Marco Rubio oder Scott Walker einen schweren Stand haben. Rubio, der junge Senator aus Florida, mit seiner Dynamik eine Art konservativer Barack Obama, hat zum Auftakt die beste Figur gemacht. (Frank Herrmann, 7.8.2015)

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