"For Honor" angespielt: Die Blutwiese ist gnadenlos

15. August 2015, 10:00
63 Postings

Ubisofts Kampfspiel bringt intuitive und martialische Duelle und setzt den Fokus aufs Wesentliche

Eingeschworene "Assassin's Creed"-Fans mögen kurz weghören, doch ich bin so frei: Der französische Hersteller Ubisoft ist nicht aufgrund der hohen Kunst seiner virtuellen Schwertkampftechniken bekannt. Nach acht Jahren der eher zähen Klingensprache ist daher berechtigt Skepsis angebracht, wenn der Konzern nun ausgerechnet mit einem Titel aufhorchen lassen will, der das stahlharte Geschäft von Rittern, Wikingern und Samurai zur Freizeitattraktion macht. Die gute Nachricht vorweg: Mit "For Honor" haben die Entwickler einen intuitiven und kurzweiligen Ansatz gefunden, einen die Schlagkraft blutrünstiger Krieger und Kriegerinnen einverleiben zu lassen.

Mit Langschwert und Streitaxt

Mit historischen Details wird man nicht aufgehalten, "For Honor" ist ein reines Actionspektakel, das sich im Heldenepos der Vergangenheit kleidet. Man kann es zwar alleine angehen, der klare Fokus liegt jedoch auf Mehrspielerschlachten. Auf der Gamescom ließen die Designer einen Modus ausprobieren, der vier gegen vier Spieler um drei strategische Punkte vor und in den Mauern einer mittelalterlichen Burg fechten lässt. Damit es nicht nach Mikado mit acht Stäben aussieht, füllen computergesteuerte Truppen die kargen Stellen auf der Blutwiese, die allerdings mehr als stoppende Bauernopfer dienen, denn als echte Gefahr. Gehaltene Stellungen bringen Punkte, wer zuerst 1000 erreicht, hat gewonnen.

ubisoft
bild: for honor

Intuitives Kampfsystem

Das Kampfsystem ist für alle Klassen gleich: Drei Waffenhaltungen (die die Schlagseite bestimmen) für den Angriff stehen drei Haltungen für die Defensive gegenüber. Klingt nach Denkaufgabe in der Hitze des Gefechts, ist jedoch intuitiv gelöst. Mit dem rechten Stick wird wählt man in Windeseile die Ausgangsstellung aus und löst mit den Triggern optional einen leichten schnellen oder langsamen starken Hieb aus. Spiegelt der Gegner die Ausgangshaltung des Angreifers, pariert er, liegt er falsch, wird er getroffen. In der Demo konnte man mit Rittern und deren Langschwerter ins Feld ziehen, in der finalen Fassung warten noch flinkere Samurai und gut gepanzerte Wikinger auf ihren Einsatz.

Hält auf Trab

Dieses einfache Prinzip macht die Kämpfe zur reaktionsfordernden Angelegenheit, die mit knappen Verlusten und Siegen auf Trab hält. Eine Faustregel gibt es zu beachten: In der Unterzahl einer gegen zwei hat man keine Chance. Einerseits fördert das den Teamplay-Gedanken und das Gefühl von Kameradschaft. Stellungen müssen so am besten gemeinsam eingenommen und verteidigt werden.

Andererseits ist fraglich, inwiefern dieses klare Kräfteverhältnis Spieler dazu motivieren kann, ihre Fertigkeiten zu verfeinern, wenn sie im Gerangel kein Land sehen. Zumindest in der gespielten Testversion war es praktisch unmöglich, es mit mehreren (menschlichen) Gegnern gleichzeitig aufzunehmen, darauf ist das Kampfsystem nicht ausgelegt. In diesen Situationen bleibt lediglich die Flucht.

bild: for honor
bild: for honor

Richtiger Fokus

Es ist zu früh, um einzuschätzen, ob diese Einschränkung der ansonsten mitreißenden Duelle und Metzeleien den Ausblick auf dauerhaft fesselnde Schlachten in "For Honor" trüben oder im positiven Sinne schlicht zu mehr Kooperation führen. Mit seiner einfach zu erlernenden Mechanik und spektakulär inszenierten Aufeinandertreffen mächtiger Krieger aus vergangenen Zeiten, scheint der für 2016 angepeilte Titel für PC, PS4 und XBO einen engen, aber richtig gesetzten Fokus zu haben. (Zsolt Wilhelm, 15.8.2015)

Share if you care.