Mit Windows 10 zum Haselnussgugelhupf

Userartikel12. August 2015, 13:42
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Persönliche Erfahrungen einer Windows-10-Installation oder: der zehnte Kreis der Hölle

Die Neugier hat mich dazu getrieben, mein "Windows 7 Ultimate" auf das neue Microsoft-Betriebssystem in der Version "Windows 10 Pro" zu aktualisieren. Was man bei einer Windows-10-Installation erleben kann, ist im Folgenden zusammengefasst:

Es wurde eine Reise zurück in die Zukunft. Dies ist natürlich eine persönliche Erfahrung und trifft keine allgemeingültigen Aussagen.

Die Installation

Für die Installation wurde von Microsoft das "Media Creation Tool" in der 64-bit-Version geladen und ein bootfähiger USB-Stick erzeugt. Der USB-Stick tut, was er soll und beginnt wie bereits alle vorherigen Windows-Installationen begannen – sinngemäß mit "Setup wird vorbereitet". Zwischendurch kommt dem Sinn nach: "Nehmen Sie den Stick heraus, starten Sie neu und geben Sie den Stick wieder rein." Warum? Aber gut, das ist wohl für jene, die mit dem Boot-Selector des Bios nicht vertraut sind.

Nach Abfrage der Sprache wird installiert ... und installiert ... und installiert. Dazu ist zu sagen: Ich habe einen schnellen USB3-Stick verwendet und nütze zwei schnelle SSD-Festplatten im RAID0-Verbund (500MB/s). Trotzdem dauert es lange. Einige Neustarts inklusive – aber weniger als vor Windows 7.

Dann werden die Programme – jetzt "Apps" – "angepasst". Auf dem Bildschirm aufmunternde Botschaften:

  • "Warten Sie einen Moment."
  • "Es dauert nicht lange."
  • "Ein paar Sachen müssen noch erledigt werden."
  • "Hier noch einige Verbesserungen."
  • "Der Vorgang dauert etwas länger als üblich, sollte jedoch bald abgeschlossen sein."
  • Nach gefühlter Ewigkeit: "Los geht's."

Windows 10: Der erste Kontakt

Der Rechner (Core i5-3570 "Merom" @3.600MHz, 500MB/s Bootdisk) startet nach der Betriebssystem-Aktualisierung viel langsamer als unter Windows 7. Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit erscheint ein Hintergrundbild.

Als sich nichts weiter tut, klicke ich ins Bild – und siehe da: Der Login-Screen erscheint. Nach dem Login baut sich langsam der Desktop auf. Ebenso langsam werden Chrome und Speedcommander geöffnet und starten die Hintergrundprogramme. Die Taskleiste und die Symbole auf dem Desktop erscheinen ebenfalls langsam, begleitet von mehrfachem Flackern.

Als endlich das "Busy"-Rad verschwindet, klicke ich auf den altbekannten "Start"-Button. Es passiert nichts. Dann erscheint wieder das "Busy"-Symbol – und bleibt. Etwa zehn Sekunden lang sind der Desktop und die Taskleiste unansprechbar.

Doomed oder der zehnte Kreis der Hölle

Ich starte also neu. Das ändert gar nichts. Das System ist langsam und reagiert oft nicht.

Als die Taskleiste sich beim Versuch, ein Programm daraus zu starten – zur Erinnerung: der Start-Button tut nichts außer den Desktop und die Taskleiste für eine Zeit lang einzufrieren – passiert das gleiche. Der "blue ring of coma" erscheint. Nicht einmal Tooltipps werden angezeigt.

Es ist de facto unmöglich, von Windows aus auch nur ein Programm (sorry: eine App) zu starten. Denn auch "Windows-R" funktioniert nicht. Bliebe nur, aus dem Speedcommander heraus das Programm zu suchen und direkt von der .exe aus zu starten. Das ist mir aber dann doch zu blöd.

Zurück in die Zukunft

Nach insgesamt mehr als zwei vergeudeten Stunden will nur mehr mein Windows 7 Ultimate zurück. Tiefergehende Analyseversuche beginne ich erst gar nicht – die bisherige Erfahrung reicht.

Gecko sei Dank mache ich mit Acronis True Image tägliche Backups auf eine externe Festplatte. Das kann man unabhängig von Windows 10 jedem nur raten. Ich starte die Wiederherstellung von Windows 7 und gehe mich abregen.

Als nach fünfeinviertel Stunden der Restore-Vorgang fertig ist, kühlt ein Haselnussgugelhupf aus, die Küche ist geputzt und mein Windows 7 wieder in alter Frische zurück. (Peter Gründler, 12.8.2015)

  • Windows 10 ist da – doch nicht jeder Nutzer ist mit dem neuen Betriebssystem zufrieden.
    foto: reuters / shannon stapleton

    Windows 10 ist da – doch nicht jeder Nutzer ist mit dem neuen Betriebssystem zufrieden.

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