Unicredit-Chef: "Wollen in Russland bleiben"

Interview6. August 2015, 18:05
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Wo bei Bank Austria und HVB der Sparstift angesetzt wird, soll sich laut Konzernchef Ghizzoni im November entscheiden

Wien – Bank-Austria-Mutter Unicredit hat im zweiten Quartal mit einem Gewinn von 522 Millionen Euro die Erwartungen der Analysten übertroffen – ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts verschwindend niedriger Zinsen und strenger Eigenkapitalvorschriften hat sich der Mailänder Finanzkonzern ein Kostensenkungsprogramm verordnet, das vor allem die Bank Austria und ihre deutsche Schwester Hypovereinsbank spüren werden. Einen Rückzug aus Russland schloss Unicredit-Konzernchef Federico Ghizzoni am Donnerstag in einem Pressegespräch auf Fragen des STANDARD aus.

STANDARD: Wie schaut es mit Kostenabbau bei der Bank Austria und der deutschen Hypovereinsbank aus?

Ghizzoni: Ich kann nicht Entscheidungen vorgreifen, aber ich schließe a priori einen Kostenabbau bei HVB und Bank Austria nicht aus. Entscheidungen sollen im revidierten Geschäftsplan präsentiert werden.

STANDARD: Wann wird dieser überarbeitete Geschäftsplan verabschiedet?

Ghizzoni: Im Herbst. Möglicherweise nach der Bekanntgabe der dritten Quartalsergebnisse im November.

STANDARD: Es heißt, dass bei Bank Austria und HVB das Kosten-Aufwand-Verhältnis übermäßig hoch sei und zwischen 70 und 80 Prozent liege.

Ghizzoni: Ja, das Kosten-Aufwand-Verhältnis liegt in diesem Bereich (bei Bank Austria lag das Aufwand-Ertrag-Verhältnis zuletzt bei 84, bei HVB bei 72 Prozent, Anm.). Dies betrifft aber nur die traditionellen Geschäftsbanktätigkeiten, nimmt man das Investment und Private Banking hinzu, dann reduziert sich das Verhältnis erheblich.

STANDARD: Immer wieder heißt es, dass Unicredit ihre Banktätigkeiten in Russland abgeben will. Wie entwickelt sich die unter den ungünstigen geopolitischen leidenden Banktätigkeiten in Russland, der Ukraine und der Türkei?

Ghizzoni: Zweifellos hat die geopolitische Entwicklung der vergangenen Monate die Existenz der Banktöchter in Russland und in der Türkei infrage gestellt. Doch Unicredit will, auf Basis der positiven Geschäftsentwicklung in den vergangenen fünf Jahren, in diesen Ländern verbleiben. In Russland konnte im zweiten Quartal trotz der Rezession noch ein Gewinn von 61 Millionen Euro geschrieben werden. Russland und die Türkei wegen drei Monate Volatilität zu verlassen würde bedeuten, die Politik einer Bank infrage zu stellen, die international und in wachsenden Märkten präsent sein will. Die Banktätigkeiten in der Ukraine werden, sobald es möglich ist, abgegeben.

STANDARD: Wird Unicredit eine weitere Kapitalerhöhung vornehmen?

Ghizzoni: Die positive Entwicklung der Kapitalpuffer spricht für sich. Inklusive der geplanten Verkäufe wie der Fondstochter Pioneer rechnet sich die Unicredit-Kapitalquote bereits auf gut 10,8 Prozent hoch.

STANDARD: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in Italien?

Ghizzoni: Italien ist aus der Rezession getreten. Die wirtschaftliche Erholung ist noch zaghaft. Die seit Jahresbeginn erhöhte Nachfrage nach Krediten beweist jedoch, dass eine Belebung im Gange ist. Die Bankenkonjunktur leidet aber weiterhin unter den niedrigen Zinsen. (Thesy Kness-Bastaroli, 7.8.2015)

Federico Ghizzoni, Jahrgang 1955, hat in Parma Rechtswissenschaft studiert. Seit 2010 ist er Vorsitzender der Unicredit Group. Ghizzoni ist Vorstandsmitglied im Orchester der Mailänder Scala.

  • Unicredit-Chef Ghizzoni:  ziehen uns aus  Ukraine zurück.
    foto: reuters/stringer

    Unicredit-Chef Ghizzoni: ziehen uns aus Ukraine zurück.

  • Hier eine Filiale in Kiew.
    foto: reuters/ogirenko

    Hier eine Filiale in Kiew.

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