Spanien baut Highspeed-Bahnnetz aus

7. August 2015, 08:00
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Bis Ende des Jahres sollen sieben weitere Provinzhauptstädte erreichbar sein. Mehr als 1000 Kilometer Trassen sind geplant

Spaniens Rechtsregierung zapft just vor den Parlamentswahlen im Dezember für große öffentliche Infrastruktur-Vorhaben seine Staatskasse an. Davon soll vor allem das Hochgeschwindigkeitszugnetz AVE (Alta Velocidad Española) profitieren.

Gut 1000 Kilometer an Neubautrassen sind geplant, und dies, obwohl das Netz abseits stark frequentierter Routen wie von Madrid nach Barcelona, Valencia oder Sevilla und Málaga schon heute hochgradig defizitär ist. Eine Studie der Fedea-Stiftung für angewandte Wirtschaftsforschung vom März dieses Jahres belegt, dass keine Strecke rentabel sein wird.

Dennoch sollen bis Ende 2015 sieben Provinzhauptstädte (u. a. Zamora, León, Burgos, Palencia, Granada) ans AVE-Netz angeschlossen sein. Viele weitere sollen 2016 folgen, gekoppelt an den Ausbau ins nordwestspanische Galicien und Asturien sowie entlang der Mittelmeerküste. Spanien verfügt dann über 4000 Kilometer an Hochgeschwindigkeitszugtrassen – weltweit gesehen Rang zwei nach China.

Nachhaltige Investitionen

"Wir bauen auf effiziente und nachhaltige öffentliche Investitionen", bekräftigte Infrastrukturministerin Ana Pastor (Partido Popular, PP) im Anschluss an die Präsentation des 2016er-Budgets. Die Opposition sieht im AVE-Ausbau nichts anderes als ein Wahlkampfzuckerl – und kritisiert, dass der Budgetteil für Wartung und Sicherheit auf 805 Millionen Euro schrumpft.

Die Infrastruktur-Tochter der Staatsbahn Renfe, Adif, wird 3,69 Milliarden Euro investieren, um rund 1000 Kilometer neue Geleise bis Ende 2016 zu verlegen. Gespart wird hingegen bei den Bahnhöfen, die eher spartanisch gehalten werden. Zugleich wird die Renfe konventionelle Zugstrecken einstellen.

Teuerste Strecke wird jene in die galicische Heimat von Premier Mariano Rajoy (PP). Mehr als eine Milliarde Euro sollen für den sogenannten "Nordwest-Korridor" via Zamora, Olmedo und Lubián nach Ourense und Vigo ausgegeben werden.

EU dagegen

Die Ausbau-Anstrengungen im Norden Spaniens stehen konträr zu den Wünschen der EU-Kommission. Bereits für die im "Juncker-Plan" versprochenen Euro-Milliarden hat man von Madrid explizit eingefordert, keine AVE-Projekte damit zu finanzieren. Europa macht Druck, den "Mittelmeer-Korridor" fertigzustellen, der von Valencia über Alicante bis Algeciras an der Straße von Gibraltar führt.

Die Staatsbahn Renfe will 2016 wieder schwarze Zahlen schreiben. Dafür ist auch Außenwerbung an den Zügen geplant. (Jan Marot aus Granada, 7.8.2015)

  • Spaniens Hochgeschwindigkeitszug AVE wird mitunter auch per Schiff transportiert (im Bild beim Verladen im Hafen von Barcelona).
    foto: epa / alejandro garcia

    Spaniens Hochgeschwindigkeitszug AVE wird mitunter auch per Schiff transportiert (im Bild beim Verladen im Hafen von Barcelona).

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