Importverbot von Kondomen soll Russen disziplinieren

7. August 2015, 07:00
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Regierung plant Einfuhrbeschränkungen für Präservative. Ein Kremlberater glaubt, dass die Russen dadurch wählerischer bei Partnern werden

Das russische Industrieministerium will den staatlichen Ankauf von ausländischen Medizinprodukten verbieten. Auf der schwarzen Liste sind Röntgenapparate, Defibrillatoren, Herzprothesen, Gehhilfen, aber auch Desinfektionsmittel, Atemmasken, Binden, Tampons und Kondome gelandet. Ausgenommen sind die zur Eurasischen Union gehörenden Länder Armenien, Kasachstan und Weißrussland.

Vor Inkrafttreten muss der Vorschlag des Ministeriums noch öffentliche Anhörungen durchlaufen. Trotzdem hat er bereits heftige Diskussionen ausgelöst, gerade in Bezug auf die Einfuhrbeschränkungen für Kondome. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, dass die Initiative kein vollständiges Importverbot bedeuten würde.

Verhütungsmittel werden nicht nur in staatlichen Krankenhäusern, sondern auch in Supermärkten angeboten. Ein Kondomdefizit ist trotzdem nicht auszuschließen, haben ausländische Produkte doch einen Marktanteil von 97 Prozent. Jessenija Schamonina, Chefin des wichtigsten Kondomgroßhändlers, stellte in einem Interview zudem die Qualität russischer Präservative infrage.

"Strenger und wählerischer bei der Partnerwahl"

Regierungsberater Gennadi Onischtschenko hingegen verteidigte das Konzept. "Diese Gummiteile haben überhaupt keinen Bezug zur Gesundheit. Die Maßnahme nötigt nur dazu, disziplinierter zu sein, strenger und wählerischer bei der Partnerwahl – und vielleicht leistet es unserer Gesellschaft sogar einen Dienst bei der Lösung der demografischen Probleme", warb er für die Einschränkung des Kondomimports.

Onischtschenko ist in Russland bekannt für seine von der politischen Wetterlage abhängigen Gesundheitsratschläge und Verbote. Als langjähriger Oberster Amtsarzt und Leiter der Verbraucheraufsicht entdeckte er Krankheitserreger wahlweise in georgischem Wein, weißrussischer Milch oder polnischem Fleisch, wenn es politische Spannungen mit den Regierungen dort gab. Dafür gab er Entwarnung, als in Russland selbst die Vogelgrippe grassierte. Einfach länger braten, lautete sein Rezept bei befallenen Hühnern. (André Ballin aus Moskau, 7.8.2015)

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