Die Verbrauchsspiralen-Hypothese

Kolumne10. August 2015, 12:15
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Niedrige Spritpreise haben fatale Folgen. Nicht für den Staat oder die Mineralölfirmen, sondern für die Endkunden.

Der Steuerausfall für den Staat durch den derzeit relativ niedrigen Spritpreis dürfte sich wohl in Grenzen halten. Wie zu beobachten, wird auch wieder mehr gefahren, was den Umsatzrückgang an den Tankstellen wohl einigermaßen abfedern sollte. Es ist, als hätte jeder eine gewisse Menge Geld für Treibstoff in der Tasche, das er auch tatsächlich verbraucht.

Mehr Geld für Mobilität

Hinter dieser Beobachtung steckt offenbar eine fatale Dynamik, über die sich zwei freuen, die Mineralölfirmen wie auch der Staat. Jedes Mal, wenn der Spritpreis stark steigt, bemüht man sich zwar, weniger zu fahren, was zu einem kurzzeitigen Rückgang des Verkehrsaufkommens führt, es gelingt aber meist nur vorübergehend. Dann wird das Budget fürs Autofahren erhöht.

Sinkt der Spritpreis dann wieder, wird trotzdem weiterhin die mittlerweile gewohnte Summe fürs Autofahren ausgegeben. Das heißt, man geht umso großzügiger mit seinem Geld und der Umwelt um, fährt also noch mehr.

Billigerer Sprit, teurere Autos

Zweite fatale Dynamik: Mit sinkendem Spritpreis werden sofort völlig irrationale Langzeitentscheidungen getroffen, nämlich größere Autos zu kaufen, obwohl man eigentlich annehmen müsste, dass Benzin und Diesel nicht langfristig billig bleiben.

Dann kommen wieder die Ernüchterung und das Stöhnen.

Dritte Triebkraft der Verbrauchsspirale: Die meisten Autos verbrauchen nunmehr tatsächlich um einiges weniger als noch vor kurzem, ganz sicher aber versprechen es Prospekte und Plakate, was auch nicht unbedingt ein Anlass ist, zu einem kleineren Auto zu greifen. (Rudolf Skarics, 11.08.2015)

  • Teurer Sprit belastet die Autofahrer. Billiger Sprit aber auch.
    foto: big shot / christian jungwirth

    Teurer Sprit belastet die Autofahrer. Billiger Sprit aber auch.

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