Prozess um Ehegewalt: Partnertausch und Nasenbeinbruch

7. August 2015, 09:00
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Ein Scheidungskrieg hat Gabriel B. vor das Strafgericht gebracht – er soll seiner Frau die Nase zertrümmert haben. Er sieht sich als Opfer

Wien – Für die naturgemäß parteiische Opfervertreterin Monika Ohmann ist die Lage klar. Die Ehe von Gabriel und Laurentia B. war "eine klassische Gewaltbeziehung, die Frau hat ihre Verletzungen immer versteckt und vertuscht. Die Übergriffe wurden immer häufiger und schwerer, es endete mit einem Nasenbeinbruch", plädiert sie vor Richterin Gerda Krausam.

Wegen dieses Vorwurfs sitzt der 39-Jährige nun mit der Anklage wegen fortgesetzter Gewaltausübung nun hier – und bekennt sich nicht schuldig. Denn, wie es seine Verteidigerin formuliert, es seien "ungerechtfertigte Anschuldigungen in einem hochstrittigen Scheidungsverfahren".

Der unbescholtene Museologe, dem in seiner Heimat Rumänien – aus der er extra angereist ist – drei Geschäftslokale und eine Wohnung gehören, beginnt seine Geschichte am Anfang.

Zehn Jahre Ehe, zwei Kinder

Geheiratet hat er die 29-Jährige im Jahr 2005, zwei Kinder kamen zur Welt. "Wann begannen die Streitigkeiten?", will Krausam wissen. "Ab 2010 haben wir mit Partnertausch begonnen", verrät der Angeklagte aus seinem Privatleben.

Ganz auf die leichte Schulter scheint er das nicht genommen zu haben. "Sie hat mich dauernd betrogen", erzählt er über den Grund der "spannungsgeladenen Diskussionen". Schon im Jahr 2012 wollte er sich trennen – seltsamerweise erwirkte seine Frau in diesem Jahr aber auch ein Betretungsverbot gegen ihn.

Im angeklagten Zeitraum 2014 sei die Beziehung aber gut gewesen. "Wir hatten nur zwei Streitigkeiten." – "Das ist beachtlich. Eine völlig intakte Ehe", stellt die Richterin verwundert fest. Denn Ende Oktober wurden bei Frau B. ein Nasenbeinbruch und Hämatome im Gesicht diagnostiziert.

Handy gegen die Wand geworfen

Der Angeklagte bestreitet, daran Schuld zu tragen. Ja, es habe einen Streit gegeben, als er auf ihrem Handy Fotos des Administrators ihrer Webseite gefunden habe. Aus Wut habe er das Mobiltelefon gegen die Wand geworfen.

"Dann ist sie nahe zu mir gekommen, ich dachte, sie will mich küssen." Nach seiner Darstellung war dem nicht so: "Sie hat mich in die Wange gebissen, ich habe sie im Reflex weggestoßen, aber sie ist nicht einmal umgefallen." Die Bisswunde habe er auch fotografiert.

Und er habe sie kurze Zeit später auf dem Parkplatz der Privatklinik, wo seine Frau arbeitet, auch einem Arzt gezeigt. "Ich habe ihm gesagt, er soll sich nicht in unsere Beziehung einmischen, und gedroht, ich erzähle sonst seiner Frau, dass er eine Beziehung mit einer 20-Jährigen hat, wie mir meine Frau gesagt hat."

"Fucking guy" und Drohung

Dass er den Mediziner als "fucking guy" beschimpft und gedroht habe, dessen Nase werde die nächste sein, die er brechen werde, bestreitet er. Krausam interessiert noch etwas: "Warum gibt es keine einvernehmliche Scheidung? Wer will das nicht? Oder geht es ums Geld?" Letzteres, sagt die Verteidigerin. "Es gibt materielle Gründe, mein Mandant pocht auf eine gerechte Aufteilung."

Bis hierher scheint die Sache tatsächlich recht klar zu sein, ab dem Auftritt des Mediziners als Zeugen beginnt das Verfahren allerdings eine seltsame Wendung zu nehmen.

Der 61-Jährige bleibt bei seiner Darstellung des Vorfalls im Hof und bestreitet die Drohung betreffs der außerehelichen Beziehung vehement. Dann wird es interessant. Ihm seien die ersten Blutergüsse im Gesicht von Frau B. im Jahr 2013 aufgefallen, "ab 2014 haben sie sich gemehrt, waren monatlich", sagt er.

Unter den Tisch gekehrt

Er habe B. zu einem Anwalt geraten, "aber das wurde von ihr unter den Tisch gekehrt". Und überhaupt: "Gegen sie kann man sich nicht so leicht durchsetzen." Daher wollte sie Ende Oktober zunächst auch nicht zum Röntgen gehen, als sie mit lädierter Nase zur Arbeit kam. "Sie hat gesagt, ihr Mann hat sie geschlagen." Schließlich wurde doch ein Trümmerbruch der Nase diagnostiziert.

Die Verletzte selbst will in Abwesenheit ihres Nochgatten vernommen werden. Die zierliche Frau sagt, es habe im Jahr 2014 alle fünf bis sechs Wochen Gewalt gegeben, ab Juli habe sie sich Notizen gemacht.

Interessanterweise sagt sie aber, der Angeklagte habe sie kaum ins Gesicht geschlagen, nur einmal habe sie dort einen Bluterguss gehabt – ein klarer Widerspruch zur Aussage des Arztes.

Auf dem Boden eingeprügelt

Den Nasenbeinbruch habe sie sich zugezogen, als B. sie zu Boden gestoßen habe, mit einer Hand ihre Handgelenke umklammert und mit der anderen auf sie eingeprügelt habe. Im Zuge dessen habe sie ihn auch gebissen.

Die Verteidigerin hat aber einige Fragen. Zum Beispiel, warum sie zwar im Jahr 2012 zur Polizei gegangen sei, im Jahr 2014 dann aber erst nach angeblicher monatelanger Gewalt. "Er hatte großen psychischen Einfluss auf mich, ich hatte Angst, wusste nicht, ob ich mit den Kindern alleine durchkomme."

Die finanzielle Lage der Familie war allerdings nicht schlecht. Im Jahr 2014 standen Urlaube in Abu Dhabi, Sansibar, am Wörthersee und in Bulgarien auf dem Programm. "Er hat mich vor, während und nach dem Urlaub geschlagen", behauptet die Zeugin, die Verteidigerin legt Urlaubsfotos einer glücklichen Familie vor.

Drohung mit Gefängnis

Dass sie ihrem Mann per SMS angedroht hat, er werde ins Gefängnis kommen und die Kinder nie mehr sehen, bestreitet sie nicht. Aber: "Das ist aus dem Zusammenhang gerissen."

Wirklich bockig wird die Zeugin, als sie die Verteidigerin fragt, ob sie einen Master in Spitalsmanagement habe. "Was soll jetzt die Frage?", kontert sie. Das hat sie in ihrem Facebook-Profil geschrieben, die Verteidigung will damit ihre Glaubwürdigkeit erschüttern.

Als sie von Krausam aufgefordert wird, zu antworten, sagt B.: "Ich habe das initiiert, es ist ein Fernstudium. Aber ich glaube nicht, dass das hier Thema ist", entrüstet sie sich.

Die Richterin vertagt schließlich auf unbestimmte Zeit. Einerseits will sie weitere Mitarbeiter der Klinik zu den Blutergüssen in B.s Gesicht befragen, andererseits hat die Verteidigung als Zeugin das ehemalige Kindermädchen beantragt, das bestätigen soll, dass Frau B. die dominante Persönlichkeit in der Beziehung gewesen sei. (Michael Möseneder, 7.8.2015)

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