Studie aus Wien: Protein zeigt Gehirnblutung an

6. August 2015, 15:21
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Das Kalzium-bindende Protein S100B ist ein Indikator: Das zeigen CT-Untersuchungen und die stationäre Beobachtung von älteren Patienten nach Unfällen

Wien – Mit einem einfachen Bluttest könnte man in Zukunft eventuell älteren Patienten nach Unfällen eine CT-Untersuchung und/oder die stationäre Beobachtung wegen einer allfälligen Gehirnblutung ersparen. Eine entsprechende Studie haben jetzt Experten des SMZ-Ost in Wien und des Meidlinger Unfallkrankenhauses publiziert.

Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie von Personen über 65 Jahren und Erwachsenen unter Blutverdünnungstherapie nach kleineren Unfällen sind im "Journal of Neurosurgery" erschienen.

Unnötige CT-Untersuchungen einsparen

Insgesamt wurden die Daten von 782 Patienten analysiert, die nach kleineren Unfällen in eine der beiden Kliniken eingeliefert worden waren. "Leichte Kopfverletzungen sind bei Patienten über 65 Jahren häufig. Sie sind oft das Resultat von Stürzen wegen Gleichgewichtsstörungen. Obwohl Blutungen im Schädel bei leichten Kopfverletzungen an sich selten sind, sind sie besonders Besorgnis erregend bei Patienten unter Blutverdünnungstherapie", schreiben die Studienautoren.

Um eine solche Blutung auszuschließen, werden regelmäßig CT-Untersuchungen durchgeführt. Außerdem werden viele der Patienten vorübergehend stationär aufgenommen, um zu beobachten, ob sich Symptome einstellen. "Eine einfache und genaue Testmöglichkeit wäre natürlich sinnvoll, um unnötige CT-Untersuchungen mit Strahlenbelastung und ebenso unnötige Spitalsaufenthalte einzusparen", so die Forscher.

Das Kalzium-bindende Protein S100B im Blut könnte hier eventuell eine Alternative bieten. "S100B wird von Astrozyten im Gehirn in das Blut abgegeben, wenn es zu einer Verletzung des Gehirns kommt", so die Wissenschaftler. Die Forscher aus Wien entdeckten, dass bei Patienten nach Unfällen mit leichten Kopfverletzungen im Alter über 18 Jahren und Blutverdünnungstherapie per niedrig dosierter Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel und bei über 65-Jährigen nach solchen Blessuren ein Schwellenwert von 0,105 Mikrogramm an S100B pro Liter Blut eine entsprechende Aussagekraft besitzt.

Ziel: Arbeitsbelastung reduzieren

Bei 50 der 782 Patienten (6,4 Prozent) wurde per Computertomografie eine Schädelblutung diagnostiziert. Werte unter 0,105 Mikrogram im Blut deuteten darauf hin, dass keine Blutung vorliegt. 100B-Konzentrationen unter diesem Wert ließen mit 99,6-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Ausschluss einer Gehirnblutung zu.

Erstautor Thaler: "Wir führten die Studie mit dem Ziel durch, die Arbeitsbelastung des medizinischen Personals, die Kosten und die Strahlenbelastung bei Management von Patienten mit leichten Kopfverletzungen zu reduzieren. Wir sind zuversichtlich, dass diese Untersuchung dabei für die Zukunft nützlich sein wird." (APA, 6.8.2015)

Zur Originalstudie

Journal of Neurosurgery

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