"Müssen uns jeder Kritik stellen"

6. August 2015, 14:24
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Christoph Freund, Sportlicher Leiter von Red Bull Salzburg, nimmt am Tag nach dem Aus in der CL-Qualifikation Stellung

Malmö/Salzburg – Fußball-Meister Salzburg ist auch im achten Anlauf seit dem Red-Bull-Einstieg im Jahr 2005 an der Qualifikation für die Champions League gescheitert. Nach einer neuerlichen 0:3-Niederlage am Mittwoch in Malmö wächst auch die Kritik an der Personalplanung der Bullen.

Mehrere Leistungsträger haben Salzburg im Sommer zur Red-Bull-Dependance nach Leipzig verlassen. Zurück blieb ein enorm junger Kader. Salzburgs neuer sportlicher Leiter Christoph Freund stellt sich den Herausforderungen – und auch der Kritik. Der 38-jährige Salzburger über ...

... eine möglicherweise zu offensive Spielanlage in Malmö:

"Klares Ziel war, den Gegner so weit wie möglich vom Tor wegzuhalten, damit er gar nicht zu Torchancen kommt durch Flanken und Standards. Natürlich ist es naiv, wenn man dann nach einem oder zwei Pässen offen ist, und die stehen alleine vor dem Tor. Es ist nicht aufgegangen, das muss man ganz klar sagen."

... die nach dem Aus öffentlich geäußerte Kritik einiger ÖFB-Teamspieler:

"Sicher tut es weh, das können wir intern auch besprechen. Wenn man wieder so eine gute Ausgangsposition herschenkt, ist die Enttäuschung auch bei den Spielern riesig. Gerade für Spieler wie Hinteregger oder Ulmer, die das jetzt schon mehrfach miterlebt haben, ist es natürlich bitter, wenn man in dieser Phase ausscheidet. Im Endeffekt kann man sagen, es ist auch keine reife Leistung, wenn man ein 2:0, eine so gute Ausgangsposition, in so kurzer Zeit hergibt."

... die vielen jungen Spieler, die allesamt erstmals in so einer schwierigen Situation waren:

"Natürlich ist es schwierig, wenn man nach 14 Minuten 0:2 hinten ist. Wir bekommen die Tore zu einfach. Das liegt an der gesamten Mannschaft, wie man sich gegen den Ball und in der Defensivausrichtung verhält. Natürlich tun uns die Ausfälle von Soriano, Damari oder Yabo weh. Aber das ist nicht der einzige Grund, das ist keine Entschuldigung."

... die Kritik, so viele Leistungsträger nach Leipzig abgegeben zu haben:

"Wir müssen uns jetzt jeder Kritik stellen. Wir waren mit der Mannschaft, die wir aktuell haben, nicht fähig, dass wir mit einer super Ausgangsposition gegen eine nicht überragende Mannschaft in Malmö verteidigen. Das ist einfach Fakt. Ob jetzt der Spieler oder der Spieler weg ist – als Mannschaft haben wir es nicht geschafft, eine Mannschaft, die absolut auf unserer Augenhöhe sein muss, auszuschalten. Das tut richtig weh."

... darüber, dass auch Ajax Amsterdam mit einer sehr jungen Mannschaft trotz größeren Budgets an Rapid gescheitert ist:

"Das will ich nicht vergleichen. Ajax spielt zwar auch mit vielen Jungen, grundsätzlich haben wir aber eine andere Fußball-Philosophie. Budget oder Geld steht nicht auf dem Platz. Aber man hat bei Rapid gesehen, dass sie eine funktionierende, intakte Mannschaft haben. Es funktioniert. Wir dagegen haben gerade einen Umbruch. Und es dauert, bis das alles ineinandergreift."

... die immer wieder in der Saisonpause neuformierten Mannschaften, die in der Champions-League-Qualifikation dann noch nicht eingespielt sind:

"Die große Transferzeit ist eben im Sommer. Es wird versucht, jeden Sommer die bestmögliche Mannschaft auf den Platz zu bringen. Diese Mannschaft ist aktuell noch nicht so weit. Sie ist dieser Herausforderung noch nicht gewachsen, das muss man ganz klar feststellen."

... mögliche Abgänge nach dem neuerlich verpassten Einzug in die Königsklasse:

"Es wäre zwar von allen das Ziel gewesen, aber diese Angst habe ich jetzt nicht. Wir müssen schauen, dass wir ganz schnell wieder auf die Füße kommen und in der Bundesliga unsere Spiele gewinnen. Es bleibt uns ohnehin keine Zeit. Wir müssen jetzt zusammenhalten. Es ist sehr, sehr bitter, aber es geht in zwei Tagen wieder weiter. Wir müssen jetzt schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen." (APA, 6.8.2015)

  • Christoph Freund: "Wenn man wieder so eine gute Ausgangsposition herschenkt, ist die Enttäuschung auch bei den Spielern riesig."
    foto: apa/gindl

    Christoph Freund: "Wenn man wieder so eine gute Ausgangsposition herschenkt, ist die Enttäuschung auch bei den Spielern riesig."

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