Situation für Wohnungslose in Vorarlberg spitzt sich zu

6. August 2015, 12:20
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Dowas-Geschäftsführer Diettrich: "Situation auf dem Wohnungsmarkt ist katastrophal." In der Notschlafstelle und Beratungsstelle sind die Zahlen stark gestiegen

Bregenz – Die Situation für wohnungslose Menschen in Vorarlberg hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Von steigenden Zahlen in der Notschlafstelle und deutlich mehr Zulauf in der Beratungsstelle berichtete am Donnerstag Dowas-Geschäftsführer Michael Diettrich. "Wir platzen aus allen Nähten", sagte Diettrich. Schuld daran sei "die katastrophale Situation am Wohnungsmarkt".

Insgesamt hat der Verein Dowas (Der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) 2014 mit 963 um 4,6 Prozent mehr Klienten gezählt als im Jahr davor. 821 davon waren Bezieher der Mindestsicherung. Die Notschlafstelle in Bregenz sei den größten Teil des Jahres "bis auf den letzten Platz" belegt gewesen, auch die Aufenthaltsdauer sei gestiegen. In der Beratungsstelle vermerkte Diettrich mit 532 Klienten einen Zuwachs von elf Prozent. Seit 2008 hätte sich dort die Zahl der Betreuten verdoppelt.

"Keine Perspektive"

Für die Zukunft erwartet der Dowas-Geschäftsführer keine Entspannung. "Ich sehe momentan schlichtweg keine Perspektive", denn bei den Zahlen von 2014 seien noch kaum anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte dabei. Bereits im ersten Halbjahr 2015 habe man vor allem wegen der starken Zunahme der anerkannten Flüchtlinge in der Beratungsstelle 80 Prozent der Klientenzahl von 2014 erreicht. In der Notschlafstelle waren zwölf von 124 Menschen Asylberechtigte.

Die Ursache für diese Zuspitzung sieht Diettrich in einem "leeren Wohnungsmarkt", die Situation habe sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren noch weiter verschärft. Gut ein Drittel der Dowas-Klienten brauchten keinerlei sozialarbeiterische Unterstützung, wenn sie eine leistbare Wohnung finden würden.

Diettrich begrüßte den im schwarz-grünen Regierungsprogramm beschlossenen Ausbau von gemeinnützigem Wohnraum, die Stärkung sozialer Aspekte bei den Vergaberichtlinien und das Bemühen um leerstehende private Wohnungen. Allerdings kämen diese Maßnahmen zu spät und brauchten noch Jahre, bis sie wirkten. "Die Probleme sind hausgemacht und Ergebnis von Versäumnissen der Vergangenheit", betonte der Dowas-Geschäftsführer, der die Politik bereits seit elf Jahren immer wieder auf Mängel in diesem Bereich hingewiesen habe.

"Fremdenfeindliche Stimmung"

Die Diskussionen um Zeltstädte, die Überbelegung des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen seien bereits traurig, "aber wir haben auch danach keine Wohnungen", konstatierte Diettrich und mahnte vor einer explosiven Mischung. Auch wenn es gar nichts mit der Realität zu tun habe, beobachte er innerhalb der Dowas-Klientel eine steigende Konkurrenz im Wettbewerb um zu wenige Wohnungen, Arbeit und Sozialleistungen. "Eine fremdenfeindliche Stimmung macht sich auch bei uns bemerkbar, und wir können wenig dagegen tun", sagte Diettrich. (APA, 6.8.2015)

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