Studie: 14 Monate Karenz sind ideal

6. August 2015, 10:26
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Im internationalen Vergleich schneiden die österreichischen Karenzmodelle nicht gut ab: die angebotenen längeren Karenzen führen für Frauen zu schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt

Wien – In Österreich können Eltern bis zu 36 Monate in Karenz zu gehen. Die Möglichkeit eine lange, aber schlecht bezahlte Elternkarenz in Anspruch zu nehmen, wirkt sich laut Studien negativ auf die Chancen am Arbeitsmarkt und die geschlechtergerechte Arbeitsaufteilung aus. Ideal wären laut einer Analyse von 27 europäischen Modellen etwa 14 Monate gut bezahlte Karenz, bei der ein signifikanter Anteil für Väter reserviert ist.

"Ich habe aufgrund von empirischen Ergebnissen versucht festzustellen, welche Charakteristika eines Elternkarenzmodells wichtig sind, um einerseits Väter in die Kinderbetreuungsarbeit einzubeziehen und andererseits Mütter möglichst gut in die Erwerbsarbeit zu integrieren", sagt Helene Dearing vom Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien. In ihrer Analyse wurde nicht nur der Zeitpunkt des Wiedereintritts der Mütter, sondern auch die Effekte der Karenzpolitik auf Löhne und Arbeitsstunden berücksichtigt. Die Arbeit wird in Kürze im Fachjournal "Journal of European Social Policy" erscheinen.

Ungenutztes Potenzial

Die Formel "Je mehr Elternkarenz, desto besser" bestätigte sich mit Blick auf die Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt nicht. In Österreich werden mehrere lange Kinderbetreuungsgeld-Varianten angeboten. Die längste Karenz umfasst insgesamt 36 Monate, wenn beide Elternteile die Karenz beanspruchen. "Diese Variante wird im internationalen Vergleich nicht schlagend, weil wir immer noch diese extrem lange und niedrig dotierte Variante haben, die es in den nordischen Ländern nicht gibt", sagt Dearing. "Man kann mit Elternkarenzpolitik vieles steuern, was geschlechtergerechte Arbeitsaufteilung betrifft. Dieses Potenzial nützen wir in Österreich aber nicht wirklich". Die Daten zeigen, dass sich sehr kurze und lange Karenz-Zeiträume negativ auswirken können. "Möglichst optimal für Frauen ist eine moderate Dauer, bei guter Bezahlung", sagt Dearing. Eine Vorbildrolle nehmen demnach die Systeme in mehreren nördlichen Ländern sowie Slowenien und Deutschland ein.

12 plus zwei

In Österreich wäre laut Studie eine 14-monatige Karenz ideal. Das Modell umfasst zwölf plus zwei Monate, bei 80 Prozent des jeweiligen Letztgehalts des in Karenz befindlichen Elternteils. Hierfür haben sich 2015 nur 14 Prozent der Eltern entschieden. In Österreich sei problematisch, dass wenn sich der hauptsächlich in Karenz befindliche Elternteil – in Österreich fast immer die Mutter – für eine lange Variante mit entsprechend niedrigem pauschalen Kindergeld entschieden hat, der Partner nicht mehr die einkommensabhängige Variante wählen kann. "Das ist sehr hinderlich, weil die Väter keinen eigenen Anspruch haben und sich immer am Anspruch der Mutter orientieren müssen. Dadurch wird das Instrument geschwächt", sagte Dearing.

Väterquote in Island

Am besten schneidet in der Analyse Island ab. Dort wird ein neunmonatiges Karenzmodell angeboten, das zwar eine vergleichsweise kurze Dauer hat, dafür aber sehr gut bezahlt ist. Der karenzierte Elternteil bekommt dabei 80 Prozent des Letztgehalts überwiesen. Bei diesem Modell sind drei Monate für die Väter reserviert, allerdings nicht verpflichtend. Durch diesen Anreiz bleiben fast 84 Prozent der Väter zuhause. Diese sogenannte "Väterquote" ist deshalb so effektiv, "weil es die Verhandlungsposition der Väter gegenüber der Partnerin und dem Arbeitgeber stärkt", sagt die Forscherin.

Dass in Österreich die Varianten mit "zwölf plus zwei", "15 plus drei", "20 plus vier" oder "30 plus sechs" angegeben werden, sei symbolisch nicht klug gewählt. "Es signalisiert, dass Väter nur die 'Feigenblatt-Karenzmonate' am Schluss nehmen können", so Dearing. Vielen sei nicht bewusst, dass Väter auch länger in Karenz gehen können als in diesen Formeln angegeben ist. Besser wäre es daher, wenn die Zeiten gleich aufgeteilt angegeben würden, die Elternteile sich aber gegenseitig Zeiten übertragen können. Mögliche Varianten wären demnach "sieben plus sieben" oder "neun plus neun". Der Schritt dazu wäre laut Dearding denkbar einfach: mit einer Umgestaltung der Informationsbroschüren. (APA, 6.8.2015)

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