"Gamescom" gestartet: Virtual Reality und Silver Gamer

6. August 2015, 09:06
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Konsolen-Hersteller wie Sony und Microsoft liefern sich Wettstreit um Zeit und Geldbeutel der Gamer – immer mehr ältere Spieler

Spannende Abenteuer nach einer missglückten Zeitreise, Helden in einer Fantasy-Welt an der Seite feuerspeiender Drachen oder das neue Star-Wars-Abenteuer: Auf der Spielemesse Gamescom in Köln können Gamer zahlreiche neue Spiele ausprobieren, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen. Auch heuer stehen Spiele für die großen Konsolen – Microsofts Xbox und die Playstation von Sony – im Vordergrund.

Neues für die Xbox, Sony ohne Präsentation

Bereits einen Tag vor dem Start der Spielemesse stellte Microsoft am Dienstag neue Titel für die Xbox One vor. Es sei die größte neue Auswahl in der Geschichte der Konsole, sagte Xbox-Chef Phil Spencer. Mit opulenten Abenteuern wie "Quantum Break", "Crackdown 3" oder "Scalebound" will der Softwarekonzern die Spielergemeinde für sich gewinnen.

Konkurrent Sony verzichtete in diesem Jahr auf eine eigene Präsentation. Die Gamescom sei diesmal einfach zeitlich zu nah an der amerikanischen Spielemesse E3 in Los Angeles, sagte Uwe Bassendowski, Deutschland-Chef von Sony Computer Entertainment, der dpa. "Damit wären wir unserem eigenen Anspruch, viele Neuheiten zu zeigen, nicht gerecht geworden."

Die Spiele seien immer umfangreicher und komplexer, hat Sony-Mann Bassendowski auf der Gamescom beobachtet. Es gebe weniger Spiele als früher, doch die einzelnen Titel blieben länger im Programm. Dieser Trend gebe auch mehr Spielraum für den Aufbau der Spiel-Geschichten. Mit Erweiterungs-Packs versuchten die Anbieter großer Spiele, die hohen Kosten für die Entwicklung wieder einzuspielen. Aber auch betagte Titel wie "Guitar Hero" erlebten heute ein Comeback.

foto: ap photo/martin meissner
Virtual Reality-Brillen erobern die Spielewelt.

Virtual Reality-Brillen

Als Trend in der Gamesbranche gelten aktuell auch Produkte aus dem Bereich "virtuelle Realität". Mit Hilfe von Brillen taucht der Spieler direkt in die Spielwelten ein. Doch auch wenn im kommenden Jahr bereits erste Angebote auf den Markt kommen sollen, sieht Bassendowski die Technologie noch in den Kinderschuhen.

In der Entwicklung der Hardware sei man schon sehr weit, sagte der Sony-Manager. In Köln zeigt Sony die neue Version seiner 3D-Datenbrille Project Morpheus. In der Entwicklung sinnvoller Spielekonzepte stehe man aber noch am Anfang. "Die Spiele müssen sehr durchdacht sein." Da die Spieler komplett in eine andere Welt eintauchen, müsse zuvor geklärt werden, "wo der Spaß aufhört und der Stress anfängt". "Wir sind noch am Anfang der Reise, und die Reise wird sehr lange dauern."

Sony in Führung

Im Wettkampf der neuen Spielekonsolen hat Sony die erste Etappe der Reise indes gut absolviert. Rund anderthalb Jahre nach dem Marktstart von Playstation 4 und Microsofts Xbox One baut Sony seine Führungsposition weiter aus. Die Absatzzahlen seien im deutlich zweistelligen Prozentbereich gestiegen, sagte Bassendowski.

Offiziell geben Sony und Microsoft für den deutschen Markt keine Zahlen bekannt. Bassendowski verwies jedoch auf einen Bericht von "Börse Online". Demnach verkaufte Sony laut Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) in Deutschland bis März 1,6 Millionen Geräte, Microsoft kam im gleichen Zeitraum auf 378.000 Einheiten. Microsoft-Manager Gregor Bieler wollte die Zahlen nicht kommentieren. Weltweit wurden bisher 25,3 Millionen Playstation 4 an den Handel ausgeliefert. Microsoft hat laut Bieler seit dem Launch mehr als 10 Millionen verkauft.

foto: ap photo/martin meissner
Auf der Gamescom sind Spieler in ihrem Element.

Windows 10

Unterdessen setzt Microsoft auch mit seiner Xbox One auf das neue Betriebssystem Windows 10. Es kommt im November für die Konsole heraus. Künftig sollen Spiele auf der Xbox One auf jedem Gerät mit Windows 10 per Streaming nahtlos weitergespielt werden können. Damit schaffe das neue Betriebssystem ein Bindeglied zwischen Konsolen- und PC-Spielen, sagte Microsoft-Manager Bieler. "Windows 10 macht die Xbox One über Nacht zur wichtigsten Konsole", ist er überzeugt.

Zudem baut Microsoft die Konsole mit einem digitalen Videorekorder weiter zu einer Multimediazentrale aus. Filme und Serien sollen damit auch im Hingergrund aufgenommen werden und anschließend auf jedem Windows-10-Gerät angesehen werden können. Die Gamer stünden bei der Xbox One aber weiterhin im Mittelpunkt, betonte Bieler.

Silver Gamer

Einen Trend der vergangenen Jahre dürfte die Gamescom auch heuer fortsetzen: Immer mehr Spieler gehören älteren Generationen (50+) an, die sich dieses Medium erschließt und zunehmend Skepsis ablegt. Für sie hat die Branche bereits eine Zielgruppenumschreibung gefunden und spricht von den sogenannten "Silver Gamer".

Sie bevorzugen weniger klassische Action-Blockbuster wie etwa "Call of Duty" oder "Battlefield", sondern interessieren sich für Lern- und Logikspiele oder Umsetzungen klassischer Brett- und Kartenspiele. Auch sind sie weniger stark fixiert auf Konsolen oder den PC, sondern nutzen oft Handheldkonsolen und andere mobile Endgeräte.

Doch auch in anderen Spielen wächst ihr Anteil. Laut einer von Der Westen zur Gamescom 2013 zitierten Umfrage aus 2009 ist jeder zweite ältere Gamer auch in Online-Rollenspielen anzutreffen. 2014 veröffentlichte der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware Zahlen zur Altersverteilung von regelmäßigen Konsumenten von Videogames und Gelegenheitsspielern. Hier ist die Altersgruppe 50+ mit 23,3 Prozent die mittlerweile größte Gruppe.

foto: ap
Auf der Messe lassen sich zahlreiche Titel antesten, die in den kommenden Monaten erscheinen.

380.000 Besucher erwartet

Neben diversen Vorstellungen wird den Besuchern der Gamescom wie üblich ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten. So finden im Rahmen der Messe E-Sport-Turniere statt, während Cosplay-Events dazu einladen, sich in die Kleider von Spielehelden zu werfen. In der Kölner Innenstadt werben die Veranstalter um weiteres Publikum. Sie erwarten 380.000 Besucher auf den Ständen der rund 800 Aussteller. Die Stadtverwaltung hat laut Rundschau Online derweil schon vor überfüllten Straßen gewarnt. (APA/red, 6.8.2015)

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