Post baut Paketdienst aus

6. August 2015, 17:38
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Die Post verdient immer noch am meisten mit der Zustellung von Briefen und Werbung

Wien – Wer schreibt heute noch Postkarten? Und wer bekommt seine Rechnungen noch per Post zugestellt? Die E-Mail hat den Brief ersetzt, Urlaubsgrüße kommen via Facebook, meist gleich an die ganze Welt. Allein im vergangenen Halbjahr ist der Briefmarkt in Österreich wieder um vier Prozent zurückgegangen. Dieser Trend macht der heimischen Post nach wie vor zu schaffen.

Zwar ist der Umsatz des Geschäftszweiges Brief, Werbepost und Filialen mit 738 Millionen Euro fast doppelt so groß wie jener des Paketgeschäfts. Das Umsatzplus von 0,6 Prozent (siehe Grafik) im ersten Halbjahr wurde jedoch erzielt, weil mit Paketzustellungen um 2,4 Prozent mehr umgesetzt wurde als im Vorjahreshalbjahr. Der Umsatz aus dem Briefgeschäft ist trotz Tariferhöhung um 0,4 Prozent geschrumpft.

"Die Zustellung von Paketen an den Endverbraucher ist derzeit das einzige Wachstumssegment", sagte Post-Generaldirektor Georg Pölzl bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Wer sich eine Hose oder Lebensmittel zustellen lassen will, braucht auch irgendjemanden, der ihm das Packerl schickt – und der Online-Handel nimmt beständig zu.

Große Konkurrenz

Allerdings ist die Konkurrenz von DPD, DHL und GLS – um die größten Mitbewerber der Post am heimischen Markt zu nennen – groß. "Der Wettbewerb nimmt stark zu", sagte Pölzl. Vor allem die Deutsche Post könnte den österreichischen Markt in Zukunft stärker ins Auge fassen. Im Online-Handel kommen rund 60 Prozent der von der Post zugestellten Pakete aus Deutschland.

Der wachsenden Konkurrenz will die Post durch einen verbesserten Service entgegentreten. In der Testfiliale in Wien-Simmering wurde die Warteschlange abgeschafft, Kunden ziehen dort eine Nummer und setzen sich je nach Wahl in die Cafè-Ecke oder nehmen im Kinderbereich oder auf der Wartebank Platz. Welche Konzepte auch für andere Filialen übernommen werden, wollte Pölzl noch nicht sagen. Die nächste moderne Filiale soll in Wien am Fleischmarkt entstehen.

Den Paketdienst will Pölzl stark ausbauen. Ab September können Kunden ihr Paket kurzfristig per App umadressieren. Auch den Lieferzeitpunkt soll man mit dem Handy steuern können. "Der Kampf gegen den gelben Zettel kommt gut an", sagt Pölzl. Das Pilotprojekt Samstagslieferung, das in einigen Gemeinden läuft, soll rechtzeitig zu Weihnachten in ganz Österreich umgesetzt sein.

Trans-o-flex bleibt Sorgenkind

Das Auslandsgeschäft der Post lief im ersten Halbjahr unterschiedlich. Pölzl geht davon aus, dass die Option auf eine Aufstockung der 25-Prozent-Anteile an der türkischen Aras Kargo um weitere 50 Prozent nächstes Jahr eingelöst wird. In der Türkei wird 2016 ein zweistelliges Wachstum erwartet. Effizienzsteigerungen durch Personaleinsparungen seien auch ohne Kündigungswelle zu erzielen, da es eine hohe Fluktuation in der Belegschaft gibt.

Sorgenkind ist die Deutsche Tochter Trans-o-flex. Ob sie verkauft oder durch einen strategischen Partner verstärkt werden soll, ist noch offen. Auch zu möglichen Zukäufen im Ausland äußerte sich Pölzl zurückhaltend. Die Portokassa sei gefüllt. (luis, 6.8.2015)

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