Schmetterling kann quietschen wie ein Akkordeon

7. August 2015, 18:25
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Deutsche Forscher analysieren, wie der Totenkopffalter seine verblüffenden Lautäußerungen zustande bringt

Jena – Schmetterlinge verknüpft man im Allgemeinen mit lautloser Eleganz und zählt sie nicht zu den Insekten, die Geräusche von sich geben. Der Totenkopffalter (Acherontia atropos) allerdings kann pfeifen respektive quietschen. Dabei bedient er sich eines Mechanismus, der einem Akkordeon ähnelt, wie die Universität Jena berichtet.

Die Tiere wandern alljährlich aus Afrika nach Europa ein und suchen Bienenstöcke auf, aus denen sie mit ihren kurzen Rüsseln Honig stehlen. Werden die Falter gereizt, so geben sie rhythmisch quietschende Geräusche von sich. Mit dieser einmaligen Art der Lauterzeugung haben sich nun Wissenschafter aus Jena und Kiel genauer beschäftigt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "The Science of Nature“ veröffentlicht.

Superschnelles Mini-Akkordeon

"Der Totenkopffalter erzeugt seine Laute nach einem ähnlichen Prinzip wie ein Akkordeon“, erläutert Studienleiter Gunnar Brehm von der Uni Jena. Die gefaltete Decke des Falter-Schlundes wird mit Hilfe von Muskeln hochgezogen, wobei ein Vakuum entsteht, wodurch Luft eingesaugt wird.

Die Luft strömt dann durch Rüssel und Mund des Falters und bringt dabei eine kleine Platte zum Vibrieren, wodurch ein Ton erzeugt wird. Anschließend wird die Luft wieder ausgestoßen, wobei ein anderes, pfeifendes Geräusch entsteht. Das Ein- und Ausblasen passiert allerdings sehr viel schneller als beim Akkordeon und dauert nur eine Fünftelsekunde.

Das Wissenschafterteam ist der Lauterzeugung mit Hilfe von Computer-Tomographen, einem Mammographie-Gerät und mit Hochgeschwindigkeitskameras auf den Grund gegangen. Zudem wurden die Falter im Akustik-Labor untersucht. Dort konnte ermittelt werden, dass die Falter sowohl im menschlich hörbaren Bereich als auch im Ultraschallbereich bis über 60 Kilohertz Laute erzeugen.

Wer rechnet schon mit einem quietschenden Falter?

Mit der Quietscherei, so vermuten die Wissenschafter, wollen die Falter potenzielle Feinde erschrecken. Zumindest bei Menschen funktioniert es, berichtet Brehm: Wer unbedarft einen Falter anfasst, der sich dann plötzlich bewegt und quietscht, zieht intuitiv seine Hand weg – und das könnte ein kleiner selektiver Vorteil in der Evolution sein. "Eigentlich muss man sich fragen, warum andere Falter nicht auch quietschen, denn anatomisch sind Totenkopffalter und nicht quietschende Verwandte sehr ähnlich", so Brehm. (red, 7. 8. 2015)

  • Wegen des totenkopfähnlichen Musters auf seinem Thorax galt der Falter, der über zehn Zentimeter Flügelspannweite erreicht, einst als Unheilsbringer.
    foto: gunnar brehm/fsu

    Wegen des totenkopfähnlichen Musters auf seinem Thorax galt der Falter, der über zehn Zentimeter Flügelspannweite erreicht, einst als Unheilsbringer.

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