Iran-Deal: Glaubenskrieg

Kommentar5. August 2015, 17:33
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Niemand hat bisher eine vernünftige und zugleich erreichbare Alternative aufzeigen können

Die Bezeichnung "Glaubenskrieg" passt gut für das, was sich zwischen den Lagern pro und kontra das internationale Atomabkommen mit dem Iran abspielt: Denn operiert wird – auch – mit nicht Beweisbarem, mit Gewissheiten, die es nicht gibt. Wenn es argumentativ nicht mehr weitergeht, dann wird an Emotionen appelliert. Beide Seiten sind dabei nicht zimperlich, jede malt als Alternative – sowohl zum gescheiterten als auch zum umgesetzten Deal – das schlimmste Szenario an die Wand.

Dabei ist das einfachste Argument von US-Präsident Barack Obama zugleich die beste Erklärung der Vorzüge des Deals: Noch hat niemand eine vernünftige und zugleich erreichbare Alternative aufzeigen können. Das iranische Atomprogramm ist auf Jahre unter strenger Kontrolle, und durch das Abkommen ergeben sich auch politische Hoffnungen, und das in einem Moment, in dem der Nahe Osten an allen Ecken und Enden brennt.

Das Erschrecken der Gegner bezieht sich jedoch nicht nur auf den Deal selbst, sondern auf die Gier, mit der die ganze Welt nun nach Teheran eilt, um Geschäfte zu machen. Da sich die Anti-Deal-Propagandisten jedoch meist auf die Atomgefahr konzentrierten – auch nach der Irak-Kriegslüge von 2003 immer noch unschlagbar -, sind sie mit den Warnungen, was ein auf den Wirtschafts- und Finanzmärkten rehabilitierter Iran für die Region bedeutet, spät dran. Die Befürworter glauben: eine Normalität, die der Iran nicht mehr leichtsinnig aufs Spiel setzen wird. (Gudrun Harrer, 5.8.2015)

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