Projektionsmaus "Odin Aurora" getestet: Per Laser zum Touchpad

Test7. November 2015, 09:55
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Gerät soll Mausbedienung revolutionieren, zeigt in der Praxis aber Schwächen

Für alle die schon immer wissen wollten, ob sich ein PC auch per Laser-Touchpad bedienen lässt, hat der Games-Standard die erste Maus der Welt getestet, die mit einem solchen Prinzip arbeitet.

Das Unternehmen Serafim-Tech hat die Entwicklung von "Odin Aurora" über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Die Zielsumme von 50.000 US-Dollarn konnte damals bereits nach einer Woche aufgebracht werden und ist folgend weit übertroffen worden. Insgesamt haben über 1.700 Unterstützer für einen Betrag von rund 108.000 Dollar (99.000 Euro) gesorgt.

"Must-Have-Gadget für Computer und Laptops"

Die Entwickler sehen mit "Odin" einen weiteren Entwicklungsschritt von Wireless- und Magic-Mäusen. Das Gerät wird auf der Homepage als ein "Must-Have-Gadget" beworben, das durch eine einfache Bedienung bestens geeignet sei für Designer, Video-Gamer, oder Büroangestellte. Durch die Projektionsfläche am Untergrund sollen Schmerzen in den Handballen vermieden werden, die sonst durch die Haltung der Hand bei der Bedienung einer traditionellen Maus auftreten können.

Hervorgehoben wird zudem die Portabilität. Die Maus läuft auf Windows und Mac und ist mit einer Größe von 5 x 4 x 2 Zentimetern und einem Gewicht von 40 Gramm besonders handlich. Das Gerät ist in den Farben Schwarz, Silber und Grün erhältlich und bisher bei US-Händlern und über Indiegogo für rund 50 Dollar (45 Euro) zu haben.

derstandard/pfeifenberger

Transformer- Spielzeug mit rotem Laser

Hält man das Projektionsgerät zum ersten Mal in den Händen, bekommt man aufgrund des Plastikgehäuses den Eindruck, man hätte ein billiges Transformer-Spielzeug erworben. Schließt man sie per USB-Kabel an den Rechner an, projiziert sie mit einem roten Laser ein Trackpad auf den Tisch. Dieses ist bei normalen Lichtverhältnissen gut sichtbar.

Um zu verhindern, dass die linke oder rechte "Maustaste" ungewollt mit dem Handballen bedient wird, sind diese am oberen Ende des Feldes positioniert. In der Mitte befindet sich außerdem eine diamantförmige, programmierbare Schaltfläche. Besonders nett sind die integrierten "Klicktöne", die aus dem kleinen Gerät kommen, wenn man eine der mit Licht erzeugten Tasten betätigt.

Schwierige Angewöhnung

Die Größe des Laserpads lässt sich mit 8 x 8 Zentimeter nicht verstellen. Damit ist sie zwar nicht unbedingt kleiner als handelsübliche Trackpads, das Bedienen fällt aber deutlich schwerer, weil nichts ertastet werden kann.

Da es sich zudem als schwierig herausstellt mit den Fingern innerhalb dieser Fläche zu bleiben, ist zu Beginn ein häufiges Hinunterschauen vorprogrammiert. Wünschenswert wäre hier eine Möglichkeit die Größe zu verändern, da sich Personen mit großen Händen vermutlich schwerer tun werden.

foto: derstandard/pfeifenberger

Störfaktor Sonne

Die Größe des Laserpads ist eine Sache, seine Sichtbarkeit eine andere. Nach etwas Übung reicht es zwar die Fläche aus den Augenwinkeln zu sehen, doch dabei sollte man auf jeden Fall die Umrisse erkennen können. Kann man sich weder auf den Tast-, noch auf den Sehsinn verlassen, entpuppt es sich quasi als Unmöglichkeit das Gerät zu bedienen. Dieser Fall tritt ein, sobald der Raum, etwa durch starke Sonneneinstrahlung, zu hell beleuchtet ist.

Prinzipiell kann der Laser auf alle Flächen projiziert werden, wobei vor allem Glas und raue Untergründe für Probleme sorgen. Die Steuerung gestaltet sich anfangs grundsätzlich als schwierig und unkomfortabel, da diese Bedienart stark von der gewohnten Nutzung einer Maus abweicht. Während man zwar die Steuermethode schnell erlernt, blieb eine spürbare Komfortverbesserung auch auf längere Sicht aus.

Funktionen mit unerwünschten Nebeneffekten

Die Projektionsmaus hat eine Vor- und Zurück-Funktion integriert. Ob diese ordentlich klappen, ist allerdings von den installierten Treibern abgängig. Durch horizontales Wischen über die Fläche mit zwei Fingern können beispielsweise Bilder in einer Slideshow betrachtet werden. Dabei kann es passieren, dass zuvor der gesamte Bildschirminhalt plötzlich im Hochformat angezeigt wird, ehe der Switch funktioniert.

Neben dieser ist das Gerät noch ausgestattet mit anderen Features, die ähnlich funktionieren wie bei handelsüblichen Touchpads (zoomen und scrollen). Wer gerne mit Drag & Drop arbeitet, braucht auf diese Möglichkeit nicht verzichten. Durch ein kurzes Verweilen auf der Linken Maustaste wird ein Objekt markiert und kann so anschließend beliebig verschoben werden. Diese Variante nimmt allerdings etwas mehr Zeit in Anspruch als die bei der Verwendung einer traditionellen Maus.

derstandard/pfeifenberger

Programmierbarer "Diamant"

Auf der Homepage von Serafim kann ein Tool für die Programmierung der Schaltfläche heruntergeladen werden. Damit lassen sich mit einem Klick Websites aufrufen, Programme öffnen oder Tastenkombinationen ausführen. Grundsätzlich funktioniert das sehr gut, allerdings ist diese Möglichkeit begrenzt sinnvoll. Einstellen lässt sich nämlich lediglich die Zeit, nach welcher eine Aktion erfolgen soll.

Die Idee dahinter ist nur praktisch, wenn man mehrere Programme und Websites hat, die auf einmal geöffnet werden sollen. Sinnvoller wäre es, durch unterschiedliche Verweildauer auf den "Diamanten" auch verschiedene Funktionen ausführen zu können.

Ein weiteres Manko ist, dass dieses Konfigurationstool keine Möglichkeit beinhaltet, die Geschwindigkeit des Mauszeigers einzustellen. Dies muss über die herkömmliche Systemsteuerung erledigt werden und stellt grundsätzlich kein Problem dar. Wer aber auf sein normales Trackpad und auf die Projektionsmaus zurückgreifen will, sollte bedenken, dass der Zeiger des Lasergeräts langsamer reagiert und in der Geschwindigkeit etwas hinterher hinkt.

Nichts für Gamer

Dass das Gerät für Gamer geeignet sei, kann man getrost in Abrede stellen. Vor allem für das Zocken von komplexen, schnellen Games wie Shootern, ist die Maus nicht geeignet. Für den Waffenwechsel fehlt ein Mausrad, gleichzeitiges Zielen und Feuern ist quasi unmöglich und die Steuerung an sich zu unpräzise. Immerhin lassen sich Spiele die keine unmittelbare Reaktion erfordern, wie etwa Vertreter des Rundenstrategie-Genres, aber brauchbar damit bedienen.

Fazit: Kein Ersatz für Trackpad oder Maus

Mit "Odin Aurora" ist den Entwicklern eine nette Spielerei gelungen, aber wohl kaum etwas, was eine handelsübliche Maus ersetzen wird. Zwar ist das Lasergerät durch ihre Größe und das Gewicht sehr portabel, allerdings ergibt es wenig Sinn ein weiteres Trackpad mitzunehmen, wenn der Laptop ohnehin schon eine brauchbare Lösung anbietet.

Für den Stand-PC zu Hause ist wiederum das USB-Kabel etwas zu kurz. Im Alltag kann sie es nicht mit herkömmlichen Touchpads aufnehmen, geschweige denn als brauchbare Gaming-Lösung überzeugen. (lmp, 07.11.2015)

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