Annäherung zwischen Lufthansa und Piloten

5. August 2015, 17:14
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr begrüßt das jüngste Kompromissangebot der Pilotengewerkschaft zur Beilegung des erbitterten Lohnstreits

Frankfurt/Wien – "Ich bewerte es sehr positiv, dass Cockpit nach mehreren Jahren der Verhandlungen erstmals mit einem Angebot auf uns zugekommen ist, das Kosteneinsparungen beinhaltet", sagte Spohr. Cockpit habe eingesehen, dass die Lufthansa in dem Streit um die Frühpension für 5400 Piloten und den Ausbau der Billigfluglinie Eurowings auch nach zahlreichen Streiks nicht nachgebe.

Die Lufthansa habe wieder Gespräche mit der Gewerkschaft aufgenommen. An die von Cockpit erhoffte schnelle Einigung in einem Monat glaube er aber nicht. "Der Termin Anfang September für eine Lösung des Konflikts ist aufgrund der Komplexität der Themen nicht realistisch."

Die Piloten legten die Lufthansa seit Frühjahr 2014 zwölfmal lahm. Anfang Juli war eine Schlichtung bereits in der Vorbereitung gescheitert. Wenige Wochen später boten die Piloten an, ein vom Vorstand vorgeschlagenes Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen. So ist Cockpit bereit, die Pilotengehälter mit jenen anderer Airlines zu vergleichen. Auch bei der Frührente kommt die Gewerkschaft der Kranich-Fluglinie entgegen.

Mehr Aufstiegsperspektiven

Im Gegenzug soll die Lufthansa Jobs und Aufstiegsperspektiven für alle in Deutschland bei Lufthansa angestellten Piloten garantieren und das Ausflaggen von Cockpitarbeitsplätzen stoppen. Knackpunkt ist hier, dass der Vorstand die neue Billigtochter Eurowings – wie berichtet – ab Herbst auch in Österreich ansiedelt, weil die AUA konzernweit den billigsten Kollektivvertrag (KV) hat. Cockpit fürchtet dort niedrigere Löhne und einen Verlust an Mitsprache, da die Gewerkschaft nur in Deutschland Tarifverträge abschließen kann.

Aus Sicht der Lufthansa ist der rasche Ausbau von Eurowings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen. Eurowings soll mit 30 bis 40 Prozent niedrigeren Kosten fliegen als die Lufthansa selbst – also auf Easyjet-Niveau. Bei AUA ist der Lufthansa das nach einem harten Umbau bereits gelungen. Die Kosten der österreichischen Tochter seien vergleichbar mit jenen von Easyjet, sagte Konzernfinanzchefin Simone Menne jüngst.

Die Arbeitsniederlegungen der Piloten kamen die Lufthansa teuer zu stehen: Im ersten Halbjahr 2015 summierten sich die Gewinneinbußen auf 100 Mio. Euro. Ohne diese Belastungen will die Lufthansa heuer mehr als 1,5 Mio. Euro Betriebsgewinn einfliegen. "Es wäre das beste Ergebnis in der Lufthansa-Geschichte", so Spohr.

Streitbare Kapitäne

Bei der AUA wollen indessen ehemalige Kapitäne der Tyrolean ihre Drohung wahrmachen und gegen ihre drohende Degradierung zu Kopiloten vor Gericht gehen. Aus Sicht der Kapitäne komme es v. a. bei der Umstellung von der Fokker-Flotte zu Embraer zu einer Diskriminierung, schreiben die Salzburger Nachrichten. Auf diesen Maschinen werden gemäß dem neuen KV mehrheitlich AUA-Piloten fliegen. Das führe dazu, dass überzählige Tyrolean-Kapitäne zu Kopiloten herabgestuft werden. Aufgrund der massiven Umschulungen weigerten sich jüngst etliche Piloten einzuspringen, was Flugausfälle zur Folge hatte. (Reuters, cr, 5.8.2015)

  • Der Streik der Piloten kam die Airline  heuer schon teuer zu stehen und hinterließ obendrein verärgerte  Passagiere
    foto: imago

    Der Streik der Piloten kam die Airline heuer schon teuer zu stehen und hinterließ obendrein verärgerte Passagiere

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