Stress sabotiert Selbstkontrolle

5. August 2015, 14:03
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Stress macht Führungskräfte angeblich autoritär. Wie er die Selbstkontrolle ungut beeinflusst, zeigen jetzt jüngste Forschungsergebnisse

Bereits mäßiger Stress kann Menschen dazu verleiten, eher zur Schokolade statt zum Apfel zu greifen: Stress sabotiert die Selbstkontrolle, wie Zürcher Forschende im Experiment nachwiesen.

Wichtige Entscheidungen müssen oft unter Stress gefällt werden, doch wie dieser die Entscheidungsfähigkeit beeinflusst, darüber ist noch wenig bekannt, schreiben Neuroökonomen der Universität Zürich im Fachjournal "Neuron". In ihrer Studie zeigen sie auf, wie Stress das Gehirn dazu bringen kann, die Selbstkontrolle bei einer Entscheidung herabzusetzen.

Stress durch Eiswasser

In der Studie wurden 29 Teilnehmer im Labor in moderaten Stress versetzt: Sie mussten eine Hand drei Minuten lang in Eiswasser tauchen. Danach wählten die Probanden im Magnetresonanz-Tomographen (MRI) eines von zwei Fotos von Speisen aus, einer schmackhaften, aber ungesunden, und einer gesunden, aber weniger verlockenden. Eine Kontrollgruppe hielt ihre Hand für drei Minuten in lauwarmes Wasser. Alle Probanden hatten vorher angegeben, einen gesunden Lebensstil zu führen, etwa mit ausgewogener Ernährung oder Sport, wie die Universität Zürich am Mittwoch mitteilte.

Tatsächlich wählten die mit Eiswasser gestressten Probanden mit größerer Wahrscheinlichkeit eine ungesunde Speise aus als die Kontrollpersonen. Sie überbewerteten offenbar die geschmacklichen Attribute.

Dies offenbarte sich auch in den Gehirnbildern: Die neuronalen Verbindungsmuster waren bei den Gestressten verändert, und zwar in jenen Hirnregionen, die für die Ausübung von Selbstkontrolle wichtig sind. Dazu gehören der Mandelkern (Amygdala), das Striatum und für die Entscheidungsfindung wichtige Areale der Gehirnrinde. Das Stresshormon Cortisol spielte hingegen nur für einige dieser neuronalen Veränderungen eine Rolle.

Optimale Selbstkontrolle?

Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle sei an mehreren Punkten des neuronalen Netzes empfänglich für Störungen, erklärte Erstautorin Silvia Maier von der Universität Zürich in der Mitteilung. "Die optimale Selbstkontrolle erfordert ein präzises Gleichgewicht der Interaktionen zwischen den beteiligten Gehirnregionen", sagte sie.

Dass sogar moderater Stress die Selbstkontrolle beeinträchtigen kann, ist laut den Forschenden eine wertvolle Erkenntnis. Moderate Stressfaktoren seien häufiger als extreme Ereignisse und beeinflussten daher die Selbstkontrolle häufiger und bei einem größeren Teil der Bevölkerung.

Dies öffnet laut Studienleiter Todd Hare interessante weitere Forschungsfragen – etwa ob Faktoren wie Sport und soziale Unterstützung, die erwiesenermaßen vor strukturellen Gehirnveränderungen nach schwerem Stress schützen, auch die Auswirkungen von moderatem Stress bei Entscheidungen mildern können. (APA/sda, 5.8.2015)

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