Matchstick: Entwicklung von TV-Stick mit Firefox OS gescheitert

5. August 2015, 13:04
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Macher scheiterten an DRM-Implementation und refundieren Crowdfunding-Geld – Unterstützer fordern DRM-freie Version

Es begann vielversprechend. Ende September startete ein Team von Entwicklern eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter, mit dem Ziel, einen HDMI-Stick mit Firefox OS zu bauen. Das Versprechen einer offenen Hardware- und Software-Plattform als Alternative zu Chromecast, FireTV Stick und Co. wirkte. Über 17.000 Unterstützer steuerten mit 470.000 Dollar beinahe das fünffache des anvisierten Mindestbetrags für den Matchstick bei.

Für umgerechnet etwa 20 Euro gab es für die Investoren dabei auch einen solchen Stick zu reservieren. Doch das Projekt geriet in Verzug. Im Februar 2015, dem ursprünglich geplanten Releasetermin, gab man bekannt, auf stärkere Hardware umzurüsten und Unterstützung für digitales Rechtemanagement (DRM) zu implementieren, damit User auch Services wie Netflix mit dem Gerät nutzen könnten. Vor Kurzem wurde das Projekt Matchstick allerdings überraschend eingestellt.

"Eine schmerzhafte Entscheidung"

Verspätungen sind für Kickstarter-Hardware nichts neues. Der Großteil der Hardware erscheint zwar tatsächlich, nicht allerdings ohne Verzögerungen. Für Matchstick gilt das nicht, denn die Entwickler geben auf.

Im Frühjahr war man mit dem Prototypen von Matchstick bei Mozilla am Mobile World Congress präsent. Im April hatte man zuletzt ein Firmware-Update für die Entwicklereinheiten ausgeliefert. Zwei Monate später hatte man verlautbart, dass man den versprochenen Ad-Hoc-Netzwerkmodus erfolgreich realisiert hätte. Weitere zwei Monate später lautete die Überschrift des neuesten Projekt-Updates: "Eine schmerzhafte Entscheidung – wir werden euer Geld zurück erstatten."

foto: matchstick
Weil man an der DRM-Implementation zu sehr zu knabbern hat, gibt das Matchstick-Projekt auf.

Projekt scheitert an DRM-Implementation

Man habe schon das ganze Jahr lang viel Zeit investieren müssen, um die DRM-Unterstützung zu entwickeln. Und trotz früher Erfolge sei die Perspektive nicht gut. Eine befriedigende Umsetzung und weitergehende Unterstützung dürfte sich letztlich nicht rechnen. "Wir sind der Ansicht, die einzige verantwortungsvolle Handlung, die wir nun setzen können, ist, 100 Prozent aller Beiträge zurück zu zahlen", heißt es. Es sei ein "enttäuschender Moment" für alle, man bedanke sich aber für die "überwältigende Unterstützung".

Da die Rückerstattung der Finanzierungsbeiträge manuell abgearbeitet werden muss, wird dieser Prozess laut dem Matchstick-Team bis zu 60 Tage lang dauern. Ziel ist es, bis Ende September allen ihr Geld erstattet zu haben.

Nutzer fordern DRM-freie Version

Seitens der Kickstarter-Gemeinde gibt es Kritik – nachträglich vor allem aufgrund der seltenen Updates zum aktuellen Stand und der bislang ausgebliebenen Veröffentlichung des Hardware-Designs – aber auch Unterstützungsbekundungen. Zahlreiche Nutzer kommentieren, dass sie bereit wären, ihr Geld in eine DRM-freie Version des Sticks zu investieren, da sie ohnehin keinen Bedarf an geschütztem Content hätten, zumal DRM-Implementation ursprünglich gar nie vorgesehen war.

Zudem, argumentiert man, könnte ja die Open Source Community nach der Veröffentlichung des Projekts selber an der Implementierung des Rechtemanagements arbeiten. Einzelne User erklären, dass sie auch bereit wären, länger auf eine DRM-kompatible Variante des Produkts zu warten.

Fortsetzung unwahrscheinlich

Ob die Entwickler den Ruf nach einer DRM-freien Ausgabe des TV-Sticks erhören, bleibt abzuwarten. Angesichts der Tragweite der Entscheidung, nach einem Jahr Entwicklung alle Beiträge vollständig zurück zu zahlen, ist von einer Fortsetzung des Projekts aber nicht auszugehen. (gpi, 05.08.2015)

Hinweise zu Crowdfunding

Bei den meisten Consumer-Plattformen wird der Unterstützer zu einem nachrangigen Investor mit geringen Rechten. Die Belohnungen, oft in Form von Produkten, sind als freiwillige "Belohnung" für die Investition gedacht. Die Unterstützung eines Projektes hat daher nicht den Status einer für den Produzenten verbindlichen Vorbestellung.

Wer in ein Projekt investiert sollte daher weitestmöglich die Glaubwürdigkeit des dahinter stehenden Unternehmens und seiner Versprechungen prüfen. Eine derartige Kontrolle erfolgt durch Kickstarter und Co. in der Regel nicht. Dem Risiko entgegen steht dafür der Vorteil, dass über Crowdfunding kreative und innovative Projekte in verschiedenen Bereichen realisiert werden können, für die sich traditionelle Investoren nicht begeistern lassen.

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