US-Stützpunkt auf Okinawa: Bauarbeiten gestoppt

5. August 2015, 13:33
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Premierminister Abe wegen umstrittener Militärreform im Umfragetief – Inselbewohner fordern Verlegung

Die japanische Regierung hat am Dienstag bekanntgegeben, dass die Bauarbeiten für den neuen US-Stützpunkt "Camp Schwab" auf Okinawa bis Mitte September eingestellt werden.

Der Bau des neuen Stützpunkts ist auf der Insel äußerst umstritten: Bereits jetzt beherbergt das südjapanische Eiland, das weniger als ein Prozent der japanischen Landfläche einnimmt, fast drei Viertel der US-Truppen im Land.

Camp Schwab soll den Marineflugplatz Futenma, der mitten auf Okinawa in dicht verbautem Gebiet liegt, ersetzen.

foto: epa/hitoshi maeshiro
In Futenma sind Osprey-Klapprotor-Flugzeuge stationiert.

Die Verlegung der dort stationierten US-Marines war beschlossen worden, nachdem 1995 drei Amerikaner eine zwölfjährige Japanerin entführt und vergewaltigt hatten. Der Absturz eines US-Hubschraubers auf dem Gelände der Universität Okinawa im August 2004 bestärkte Kritiker des Stützpunkts.

Im Vorjahr wurde mit Takeshi Onaga ein ausgesprochener Gegner der US-Basis zum Gouverneur von Okinawa gewählt.

foto: reuters/kyodo
Gouverneur Takeshi Onaga kämpft gegen US-Militärstützpunkte in seiner Provinz.

Er hatte im Wahlkampf versprochen, den Ausbau von Camp Schwab in der Nähe der Kleinstadt Henoko zu verhindern, und will nun Unregelmäßigkeiten bei der Zuteilung von Bauland festgestellt haben.

Damit große Transportflugzeuge und Kampfjets den Stützpunkt benützen können, müsste dessen Landebahn verlängert werden. Ein Teil der Piste soll auf einem Landstreifen liegen, der erst dem Meer abgerungen werden muss.

foto: reuters/kyodo
Militärstützpunkt Camp Schwab: Die Landebahn müsste verlängert werden.

Gegner des Projekts warnen vor irreversiblen Schäden an dem der Küste vorgelagerten Korallenriff. Der Baustopp soll nun neue Verhandlungen ermöglichen.

Abe im Umfragetief

Beobachter sehen in dem Baustopp ein Einlenken Premier Abes, der in aktuellen Umfragen unter 40 Prozent Zustimmung gefallen ist. Er bemüht sich derzeit, eine vom Großteil der Bevölkerung abgelehnte Militärdoktrin durchzubringen, die der japanischen Armee die logistische Unterstützung verbündeter – vor allem amerikanischer – Truppen erlauben soll. Kampfeinsätze im Ausland sollen lediglich erlaubt werden, wenn "das Überleben Japans gefährdet" ist. Das Gesetz passierte Mitte Juli das japanische Unterhaus und wird derzeit in der zweiten Parlamentskammer debattiert.

Ein Großteil der Bewohner Okinawas befürwortet die Ansiedlung der US-Soldaten auf einer der japanischen Hauptinseln. Die südjapanische Inselgruppe, auf der die Arbeitslosigkeit um drei Viertel höher als im Landesdurchschnitt liegt, ist allerdings auf die Einnahmen, die die Militärbasen generieren, angewiesen. Seit dem Wahlsieg der Opposition wurden Beihilfen der Zentralregierung um fünf Prozent gekürzt, und der Aufbau einer Tourismusindustrie macht nur langsame Fortschritte. (bed, 5.8.2015)

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