Dem Raubwürger geht es an den Kragen

5. August 2015, 12:02
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Feldvogelarten verschwinden aus der heimischen Fauna: Auch die Bestände von Blauracke und Ortolan sind auf ein Minimum zusammengeschrumpft

Wien – Drei sogenannte Feldvogelarten – Blauracke, Raubwürger und Ortolan – stehen in Österreich vor dem Aussterben. Laut BirdLife sind die letzten Brutvorkommen auf Einzelexemplare geschrumpft. Die Organisation verlangte am Dienstag in einer Aussendung von den Bundesländern in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium, "endlich effiziente Agrar-Förderprogramme umzusetzen".

"Dieser Negativtrend muss sofort gestoppt werden, wenn wir nicht auch Vogelarten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche, die bisher unsere Kulturlandschaft geprägt haben, verlieren wollen", betonte Hans Uhl von BirdLife. Selbst "Allerweltsarten" würden ohne Umsetzung von Schutzmaßnahmen aus vielen Regionen verschwinden.

Bestandszahlen rutschen in den einstelligen Bereich

Nur drei Paare der "farbenfrohen, fast exotisch anmutenden" Blauracke haben in dieser Saison in der Südoststeiermark gebrütet, 1950 wurden allein in Steiermark noch 300 bis 400 Paare gezählt. Zur Jahrtausendwende brüteten jährlich 30 bis 50 Raubwürger-Paare in Niederösterreich. "Derzeit ziehen fünf letzte Paare ihre Jungen groß, zwei davon im Wald- und drei im Weinviertel", sagte Uhl. Das letzte Vorkommen des Ortolans liegt in einem Schutzgebiet des Tiroler Inntals. Heuer ist laut BirdLife nur ein singendes Männchen erschienen.

Alle diese Vogelarten leben in halb offenen Kulturlandschaften und seien Opfer der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft. Der intensive Einsatz von Pestiziden verursache etwa den Rückgang der notwendigen Insektennahrung. Zudem würden mit wachsendem Maisanbau ökologisch wertvolle Landschaftselemente wie Hecken, Raine, Altgrasstreifen und Böschungen verschwinden.

BirdLife forderte, Landwirten für die Pflege dieser Rückzugsräume der Feldvögel "unverzüglich bessere Förderangebote vorzulegen". Außerdem würden die Bundesländer den 40-Millionen-Euro-EU-Fördertopf für ökologische Flächenpflege nicht ausschöpfen. (APA/red, 5. 8. 2015)

  • Die Bestände des Raubwürgers sind in Österreich auf ein noch nie dagewesenes Miminum zusammengeschrumpft.
    foto: apa/birdlife/michael dvorak

    Die Bestände des Raubwürgers sind in Österreich auf ein noch nie dagewesenes Miminum zusammengeschrumpft.

  • Das gleiche gilt für die wunderschön anzusehende Blauracke.
    foto: apa/birdlife/michael tiefenbach

    Das gleiche gilt für die wunderschön anzusehende Blauracke.

  • Und der Ortolan ist hierzulande de facto nicht mehr existent.
    foto: apa/birdlife/michael dvorak

    Und der Ortolan ist hierzulande de facto nicht mehr existent.

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