Privatisierung der slowenischen Telekom neuerlich gescheitert

4. August 2015, 18:04
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Einziger Bieter zog sich zurück – Britischer Finanzinvestor Cinven sieht den Deal "wirtschaftlich nicht mehr tragbar"

Der Verkauf der slowenischen Telekom ist gescheitert. Der britische Finanzinvestor Cinven, der einzige Bieter für die zum Verkauf stehenden 72,75 Prozent der Telekom-Anteile, habe sich von den Verkaufsverhandlungen zurückgezogen, hieß es aus der slowenischen Staatsholding (SDH) am Dienstag. Das Privatisierungsverfahren wurde somit eingestellt.

Seinen Rückzug begründete Cinven mit veränderten Umständen, weswegen die Transaktion "wirtschaftlich nicht mehr tragbar" sei, hieß es aus der SDH. Als Gründe gab der Finanzinvestor ein ungünstiges regulatorisches Umfeld, höhere Finanzierungskosten wegen der verschärften Lage auf den Finanzmärkten sowie auch ein unsicheres Geschäftsumfeld und die komplexe politische Lage in Slowenien an.

Keine Überraschung

Der Rückzug ist angesichts des starken Widerstands der Privatisierungsgegner und Spannungen zwischen der SDH und Cinven keine große Überraschung. Das Verfahren war bereits seit einiger Zeit auf Eis gelegen. Cinven stellte zusätzliche Bedingungen und versuchte den Verkaufspreis zu drücken. Unter anderem verlangten die Briten die Zulassung der Fusion der Mazedonien-Töchter der Telekom Austria (Vip Operator) und der Telekom Slovenije (One), die vor Kurzem genehmigt wurde. Die SDH weigerte sich hingegen, neue Bedingungen anzunehmen.

Die gescheiterte Privatisierung des slowenischen Branchenprimus ist bereits der dritte erfolglose Verkaufsversuch in den letzten 15 Jahren. Derzeit ist es unklar, welche Schritte die SDH nun unternehmen wird. Auch dieser Privatisierungsversuch war von großen politischen Kontroversen begleitet worden.

Das Unternehmen stand auf der Prioritätsliste von 15 Unternehmen, die 2013 von der früheren Regierung zur Privatisierung freigegeben wurden. Die aktuelle Regierungskoalition, die dieses Privatisierungsvorhaben erbte, war sich über den Verkauf nicht einig, insbesondere die Sozialdemokraten (SD) stemmen sich dagegen. Auch die Tatsache, dass kein strategischer Investor für die Telekom mitgeboten hat und der angebotene Kaufpreis laut Medienberichten unter den Erwartungen der Eigentümer lag, machte den umstrittenen Verkauf für die Politik nicht besonders attraktiv. (APA, 04.08.2015)

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