Essen in Sitzungen

6. August 2015, 15:00
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Regulierung des Blutzuckers mit Semmel oder Traubenzucker

foto: matthias cremer

Pro
von Gianluca Wallisch

Da versucht man im Meeting, sich zu konzentrieren und etwas weiterzubringen ... und plötzlich packt der Kollege die Extrawurstsemmel aus, beißt genüsslich rein und schlürft gach noch das Gurkenscheiberl von der Tischkante runter, bevor es zu Boden fällt und ungenießbar wird. Das erinnert die Kollegin an ihre drohende Unterzuckerung, weshalb der Joghurtsnack vor der geplanten Zeit dran glauben muss. Unangebracht? Deplatziert? Dachte ich auch. Früher.

Zum Umdenken brachte mich eine Anekdote aus dem Büroleben einer Bekannten: Dort macht sich der Kollege immer seinen Friseurtermin während der Arbeitszeit aus und findet nix dabei. "Warum sollte das nicht in Ordnung sein? Schließlich wachsen meine Haare auch während der Arbeit", bekam die Bekannte auf Nachfrage zu hören. Stringente Logik, immerhin.

Drum sollte es auch okay sein, während der Arbeit den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Und Arbeitnehmer sollten auch in der Dienstzeit schlafen dürfen, vorausgesetzt sie wurden nachweislich durch harte Arbeit müde.

Kontra
von Michael Simoner

Kommt drauf an, womit das kleine Magenknurrmonster – den großen, fünfgängigen Hunger lassen wir hier aus dem Spiel – beruhigt werden soll. Und es kommt drauf an, ob die Sitzung ein Meeting, eine Konferenz, eine Tagung oder gar ein Steuerungsgruppen-Workshop ist.

Leberkäse und Döner gehen gar nicht (außer vielleicht bei Videokonferenzen); der Geruch kommt nicht in jeder Nase gut an und hält sich ewig und drei Tage. Alles, was groß genug ist, beim Abbeißen in den Mundwinkeln ein gespanntes Verhältnis auszulösen, sollte aus ästhetischen Gründen der Einsamkeit der Vertilger überlassen werden.

Die meisten Nahrungsmittel haben sitzungsuntaugliche Angewohnheiten: Semmeln bröseln, Knabbergebäck knackt, Bananen hinterlassen augenblicklich verfaulende Schalen, Joghurt verführt – und das will man bei Sitzungen auch nicht unbedingt mit ansehen müssen – zum Ablecken des abgezogenen Deckels. Für längere Sitzungen empfiehlt sich Traubenzucker. Das Beste ist freilich, nach der Hitze des Konferenzgefechts ins Wirtshaus zu gehen. (Rondo, 6.8.2015)

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