Mitten im größten Massenaussterben erblühte plötzlich das mikrobielle Leben

8. August 2015, 18:00
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Untersuchungen von Kalksteinproben weisen auf schwere Auswirkungen auf marine Ökosysteme hin

Berlin – Vor rund 252 Millionen Jahren, an der Grenze zwischen den beiden Erdzeitaltern Perm und Trias, ereignete sich das größte Massenaussterben innerhalb der vergangenen 500 Millionen Jahre. Paläontologen schätzen, dass dabei mehr als 80 Prozent der im Meer lebenden Arten und etwa 75 Prozent aller Landlebewesen ausstarben. Es ist überdies das einzige Massensterben, dem auch zahlreiche Insektenspezies zum Opfer fielen. Trotz umfangreicher Studien ist der eigentliche Grund für diese globale Katastrophe der Ökosysteme noch immer nicht bekannt.

Nun haben internationale Wissenschafter rund um Martin Schobben vom Museum für Naturkunde Berlin Kalksteine, die im Grenzbereich dieser beiden geologischen Perioden Perm und Trias abgelagert wurden, untersucht und dabei eine Überraschung erlebt: Die Analysen enthüllten eine plötzliche Entfaltung des Lebens während der Zeit dieses Massenaussterbens. Allerdings bestand diese kurzzeitige Blüte des Lebens wahrscheinlich nur aus "primitiven" Organismen wie Bakterien und Archaebakterien. Hinweise darauf lieferten Gesteinsproben aus dem Iran, in denen die Zusammensetzung der Schwefel- und Sauerstoffisotopen gemessen wurden.

Giftiger Schwefelwasserstoff in den Ozeanen

Der durch die Mikroorganismen hervorgerufene Eintrag von sehr großen Massen organischer Substanz hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die Meeresökosysteme. Er hat einerseits den O2-Gehalt stark gesenkt und, auf der anderen Seite, die Menge des giftigen Gases H2S in weiten Teilen des Ozeans erhöht. Der höhere Gehalt an Schwefelwasserstoff wurde durch Bakterien mit einem Stoffwechsel, welche nicht von der Anwesenheit von Sauerstoff abhängig waren, erzeugt.

Diese Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Dynamik des Massenaussterbens. Es ist nicht unbedingt nur durch das Auslöschen des meisten Lebens, sondern hauptsächlich durch den Verlust bestimmter "höherer" Organismen charakterisiert. Diese Studie kann zudem dazu dienen, uns etwas über die Auswirkungen des gegenwärtigen, vom Menschen erzeugten Klimawandels zu lehren.

Die treibende Kraft hinter dem skizzierten Szenario für die Perm/Trias-Grenze ist eine globale Erwärmung um etwa acht Grad (allerdings vermutlich hervorgerufen durch ausgedehnten Vulkanismus in Sibirien), der damit verbundenen erhöhten Verwitterungsrate auf den Kontinenten und dem Transport großer Mengen von Nährstoffen in den Ozean. (red, 8.8.2015)

  • Der Superkontinent Pangäa am Übergang zwischen Perm und Trias. Was zu dem gewaltigen Massenaussterben vor 252 Millionen Jahren geführt hat, ist unklar. Vermutlich haben aber Mikroorganismen im Meer eine tragenden Rolle dabei gespielt.
    illu.: ron blakey, colorado plateau geosystems

    Der Superkontinent Pangäa am Übergang zwischen Perm und Trias. Was zu dem gewaltigen Massenaussterben vor 252 Millionen Jahren geführt hat, ist unklar. Vermutlich haben aber Mikroorganismen im Meer eine tragenden Rolle dabei gespielt.

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