Was für Angeber: Die Pilotenbrille

Kolumne5. August 2015, 05:30
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Keine Frage, die verspiegelte Pilotenbrille signalisiert "Durchblick". Und ist für all jene gemacht, die den großspurigen Auftritt bevorzugen

Als Tom Cruise unlängst in Wien vorbeischaute, führte er vor, wie man mal eben mit einer Filmpremiere die halbe Innenstadt lahmlegt. Dass er auf dem roten Teppich und während des Bads in der Menge eine Pilotenbrille trug? Natürlich kein Zufall, Cruise ist bekanntlich Wiederholungstäter. Schon vor knapp dreißig Jahren gab er in "Top Gun" mit jenem Brillenmodell den beinharten Helden: Die tropfenförmig vom Bügel fallenden Gläser signalisieren "Durchblick". Gleichzeitig lässt man sich durch die verspiegelten Gläser nicht in die Karten schauen.

Für große Auftritte

Und Zurückhaltung ist sowieso nicht Sache der Pilotenbrille. Es ist vor allem die Elite der Selbstdarsteller, die hinter diesem Modell die obere Hälfte des Gesichts verdeckt. Und in eine silbern-golden-bunte Spiegelfläche verwandelt. Anders gesagt: Die Pilotenbrille ist was für Menschen, die die den geräuschvollen Auftritt, die große Geste, den Superlativ lieben.

Beispiele dafür? Gibt’s so einige: Neil Armstrong nahm sie mit auf den Mond, Robert De Niro trug sie in "Taxi Driver", Angelina Jolie, barmherzige Übermutter Hollywoods, versteckt sich regelmäßig hinter ihr. Und der gefallene deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg, der machte mithilfe dieser Brille den Truppenbesuch in Afghanistan vor fünf Jahren zum Medienspektakel. Ja, und dann wäre da noch Heidi Klum, jene Frau, die von Bergisch Gladbach aus die wundersame Welt der Werbung eroberte.

foto: reuters/foeger
Tom Cruise am 23. Juli in Wien anlässlich der Weltpremiere von "Mission: Impossible – Rogue Nation".

Die nächsten Kandidaten stehen übrigens schon in den Startlöchern. Das sind bezeichnenderweise vor allem Frauen. Und zwar nicht nur die schmalen Modelgesichter auf dem Laufsteg von Dior. Sondern der gesamte Familienclan der Jenners und Kardashians, jener amerikanischen Patchwork-Familie, die dem Boulevard gezeigt hat, wie Selbstvermarktung in Zeiten von Social Media funktioniert. Sie alle tragen bevorzugt das Modell "Top Gun". Ist auch irgendwie verständlich. Ihr Leben? Eine Bilderschlacht. Das Foto, das die 17-jährige Kylie Jenner vor einigen Wochen auf Instagram postete, sprach Bände: Die orange verspiegelte Pilotenbrille war fast auf die Nasenspitze herunter gerutscht, dazu pinke Krallen, weiße Jeansjacke, volle Lippen. In so mancher Lebenslage genießt eben auch die Pilotenbrille, wenn sie sich mal verstecken kann.

today's feels ��

Ein von King Kylie (@kyliejenner) gepostetes Foto am

(Anne Feldkamp, 5.8.2015)

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foto: hersteller
  • Aviator im Doppelpack: Angelina Jolie und ...
    foto: apa/epa/mick tskikas

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  • ... Brad Pitt tragen beide gern Pilotenbrillen.
    foto: reuters/kimimasa mayama

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