Empörung über Facebook-Aufruf zu Koranverbrennung

4. August 2015, 13:18
552 Postings

Für Islamische Religionsgemeinde auch Postings dazu "erschreckend" – Polizei: Ermittlungen im Gang

Ein Facebook-Aufruf zu einer Koranverbrennung am 8. August sorgt für Empörung bei der Islamischen Religionsgemeinde St. Pölten (IRG). "Bücherverbrennungen haben in einer zivilisierten Gesellschaft nichts verloren", wandte sich die ÖVP der Stadt in einer Aussendung gegen die Postings. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ermittle, hieß es aus der NÖ Landespolizeidirektion.

Der Ankündigung in sozialen Netzwerken sei eine Verteilaktion von Koranausgaben in der NÖ Landeshauptstadt vorangegangen. Unabhängig davon, wie sinnvoll man dies beurteile – dies zu tun sei das "Recht, das den Gläubigen einer österreichischen Religionsgesellschaft wie den Muslimen in Österreich zusteht", betonte die IRG.

"Moslemhass mit Pogromanklang"

Die Ankündigung, Exemplare der für Muslime wichtigsten Schrift anzuzünden, erinnere fatal an die Methoden des Dritten Reiches, so die IRG. "Erschreckend" seien zudem die Kommentare vieler User dazu, die einen "blanken Moslemhass mit Pogromanklang" offenlegen würden. "Noch schockierender ist, dass dieses Tun offensichtlich im engen Umfeld einer in Österreich aktiven politischen Partei stattfindet", meinte die Glaubensgemeinschaft in der Aussendung am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft sei informiert und bereits aktiv. An die muslimischen Mitglieder richtete die IRG St. Pölten die Aufforderung, Ruhe zu bewahren und sich nicht "von primitiven Vorgehensweisen" provozieren zu lassen.

Die ÖVP St. Pölten trete dem Aufruf zur Bücherverbrennung "bei Spanferkel und Freibier" entschieden entgegen, erklärte Klubobmann Stadtrat Peter Krammer. "Wir sollten uns um ein friedliches Miteinander der Religionen kümmern und Aktionen wie diesen keine Chance bieten, die Gesellschaft zu spalten", betonte er.

Katholische Aktion "erschüttert"

Auch die Katholische Aktion St. Pölten hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Wer bewusst mit solch menschen- und werteverachtenden Methoden des Nationalsozialismus spiele, stelle sich außerhalb der hier gelebten Werte- und Demokratiegemeinschaft, erklärte man in einer Aussendung der Diözese.

Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass eine Gruppe dies als "Marketingaktion" lanciert hat oder es ein Fake der Urheber ist, sei dies ebenfalls massiv abzulehnen. Zwar seien diverse Koran-Verteilaktionen von Salafisten mit Skepsis und Sorge zu betrachten, würden aber "in keinster Weise Aktionen wie eine Bücherverbrennung rechtfertigen", meinte die Laienorganisation und forderte von allen Seiten Respekt gegenüber religiösen Zeichen und Büchern, Friedhöfen oder Gebäuden. (APA, 4.8.2015)

Share if you care.