Jedes zweite Unternehmen verlangt Erreichbarkeit im Urlaub

4. August 2015, 09:41
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Die Hälfte der Österreicher ist auch in der Freizeit für ihren Arbeitgeber erreichbar – und kümmert sich auch bei der Arbeit um Privates

Home Office, flexible Arbeitsorte oder Vertrauensarbeitszeit werden in mehr und mehr Unternehmen zum Standardangebot an Arbeitnehmer. Sie können für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell zu einer zweischneidigen Angelegenheit werden: Sie haben zwar mehr freie Zeit während der Arbeit, aber gleichzeitig auch mehr Arbeit in der Freizeit.

Wie wirkt sich nun durchgehende Erreichbarkeit auf die empfundene Arbeitslast aus? Und ist es überhaupt möglich, in der Freizeit noch richtig abschalten ohne gedanklich bei der Arbeit zu bleiben? Diese Fragen hat Randstad Austria, ein Beratungsunternehmen spezialisiert auf Zeitarbeit, in einer Online-Umfrage unter 400 österreichischen Dienstnehmern und Dienstnehmerinnen erhoben.

Erreichbar auch in der Freizeit

Das Ergebnis: 45 Prozent der österreichischen Arbeitgeber erwarten bereits eine Verfügbarkeit ihrer Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Männer (51 Prozent) sind dabei deutlich häufiger von dieser Erwartungshaltung betroffen als Frauen (38 Prozent).

Die Bereitschaft der österreichischen Arbeitnehmer, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten verfügbar zu sein, ist dabei mit 43 Prozent ähnlich hoch wie die Erwartungshaltung der Arbeitgeber. Folglich geben auch 47 Prozent der Befragten an, außerhalb der Bürozeiten unmittelbar auf Anrufe und E-Mails zu antworten. Das Vermischen von Beruf und Freizeit findet allerdings in beide Richtungen statt: So kümmern sich 61 Prozent der Befragten gelegentlich während der Arbeitszeit um Privatangelegenheiten.

Arbeit im Urlaub

Immerhin jeder dritte österreichische Arbeitgeber (34 Prozent) erwartet zudem, dass seine Mitarbeiter auch während der Urlaubstage erreichbar bleiben. Die Arbeitnehmer nehmen dies gemischt auf: 30 Prozent kümmern sich im Urlaub sogar freiwillig um ihre Arbeit, da sie involviert bleiben möchten. 33 Prozent der Befragten fühlen sich hingegen regelrecht verfolgt und dazu gedrängt, im Urlaub Anrufe und E-Mails entgegen nehmen zu müssen.

Tatsächlich geben aber 45 Prozent der Befragten an, auch im Urlaub auf E-Mails und Anrufe zu antworten. Der Fähigkeit abschalten zu können, tut dies allerdings keinen Abbruch. So zumindest geben 75 Prozent der Umfrageteilnehmer an, im Urlaub leicht von der Arbeit loslassen zu können.

Verschwimmende Grenzen

"Dieser Trend der verschwimmenden Grenzen hat mit der zunehmenden Popularität von flexiblen Arbeitszeit-Modellen begonnen und wurde durch Smartphones und Tablets noch deutlich verstärkt", sagt Michael Wottawa, Managing Director von Randstad Austria. "Wir sind heutzutage überall und jederzeit erreichbar. Ob per Telefon oder E-Mail, im Garten, in der U-Bahn oder im Supermarkt." Das könne Vor- aber auch Nachteile haben. "Hier sind beide Seiten gefragt, ein Regelwerk zu etablieren, Grenzen zu ziehen und verantwortungsbewusst mit diesen neuen Möglichkeiten umzugehen." So sei es die Aufgabe von Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter vor übermäßigem Stress und psychischen Belastungen zu schützen. Arbeitnehmer müssten umgekehrt aber auch Eigenverantwortung übernehmen, sagt Wottawa. "Jeder sollte kritisch darauf achten, hin und wieder etwas kürzer zu treten oder das Smartphone einfach mal abzuschalten." (lib)

  • Österreichischen Dienstnehmer fallt es immer schwerer abschalten, zeigt eine neue Umfrage der Beratung Randstad Austria: 45 Prozent gaben dort an, auch im Urlaub für ihren Arbeitgeber erreichbar sein zu müssen.
    foto: dpa/friso gentsch

    Österreichischen Dienstnehmer fallt es immer schwerer abschalten, zeigt eine neue Umfrage der Beratung Randstad Austria: 45 Prozent gaben dort an, auch im Urlaub für ihren Arbeitgeber erreichbar sein zu müssen.

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